Zwischen Kanzlei und Hof vereint er Umweltrecht und Landwirtschaft mit Leidenschaft und Weitblick. Wie zwei scheinbar gegensätzliche Welten einander stärken – und warum genau darin seine Erfüllung liegt, erzählt er uns in diesem Blogbeitrag.
1. Was hat dich ursprünglich an der Anwaltei gereizt – und was an der Landwirtschaft?
In die Anwaltei bin ich nach dem Studium hineingewachsen. Ich hatte das Glück, dass ich gleich bei Konzipient in eine tolle Kanzlei gekommen bin, in der ich immer noch sehr gerne arbeite. Thematisch ist unser Schwerpunkt das Umweltrecht, wir sind also in der ersten Reihe bei Themen wie der Energiewende bzw. der Dekarbonisierung der Industrie – das hat schon nach wie vor einen sehr großen Reiz. Die Landwirtschaft ist eine absolute Herzensangelegenheit von mir. Damit bin ich aufgewachsen und für mich war schnell klar, dass ich den Betrieb irgendwann weiterführen will. Der Betrieb ist schon seit vielen Generationen in Familienhand, ihn so weiterzuentwickeln, dass er auch in der nächsten und übernächsten Generation fortbestehen kann, ist eine große Verantwortung aber auch ein großes Privileg.
2. Wenn du morgens in den Tag startest – fühlst du dich dann zuerst als Anwalt oder als Landwirt?
Morgens jedenfalls als Landwirt, weil der Tag mit der Arbeit im Stall beginnt. Wir betreiben eine Kalbinnenaufzucht und die Tiere werden zwischen 05:30 Uhr bis ca. 7:00 Uhr versorgt. Also gefüttert, ausgemistet und alles was sonst noch so dazu gehört.
3. Wie ergänzt sich dein juristisches Denken mit dem Pragmatismus eines Landwirts?
Das ist schwierig zu vergleichen. Eine gewisse Gelassenheit hilft sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Mandantenbetreuung. Die Bürokratie nimmt in der Land- und Forstwirtschaft zudem immer mehr zu, es schadet also jedenfalls nicht, wenn man sich gut in neue Themen einlesen kann.
4. Viele Jus-Studierende haben Angst vor der „Work-Life-Balance“ – wie sieht das bei dir
aus, wenn Arbeit und Leben eigentlich identisch sind?
Die Grenzen verschwimmen natürlich. Die Flexibilität in der Selbstständigkeit ist aber ein großer Vorteil. Je nachdem welcher Bereich gerade mehr Aufmerksamkeit erfordert, nimmt dann eben mehr Zeit in Anspruch. Mit einem 40h-Bürojob mit fixen Arbeitszeiten könnte ich unseren Betrieb in dieser Art und Weise sicher nicht bewirtschaften. Gerade in der Landwirtschaft ist Arbeitszeit auch oft gleichzeitig Quality time mit der Familie. Meine kleine Tochter hilft schon fleißig im Stall mit, das fühlt sich dann nicht mehr nach Arbeit an.
5. Wann fühlst du dich erfolgreicher – wenn du einen Fall gewinnst oder wenn du eine gute
Ernte einfährst?
Beides ist natürlich schön. Als Anwalt hat man es noch mehr in der eigenen Hand wie sich Mandate oder Fälle entwickeln. In der Land- und Forstwirtschaft ist man sehr stark von äußeren Einflüssen abhängig. Die zunehmenden Wetterextreme sind sicher die größte Herausforderung unserer Generation – darauf haben wir aber leider nur sehr eingeschränkt unmittelbar Einfluss. Am besten geht ́s mir, wenn beide “Welten” nebeneinander gut funktionieren.
6. Was können Jurist:innen von Landwirt:innen lernen – und umgekehrt?
In der Landwirtschaft aber vor allem auch in der Forstwirtschaft denkt man sehr langfristig. Den Baum den ich heute setzte, werden erst meine Enkelkinder ernten können. Die Juristerei bzw. die Anwaltei ist oft sehr schnelllebig und stressig. Natürlich kann man das nicht 1:1 umlegen, aber dieser Weitblick würde uns in der Anwaltei auch oft guttun. Umgekehrt haben Juristin:innen oft die
Fähigkeit komplexe Themen schnell und auch gut strukturiert erfassen zu können, das hilft generell in sehr vielen Lebenslagen. Auch eine gewisse Stressresistenz trainiert man sich als Anwalt natürlich an.
7. Wie reagieren deine Kolleg:innen, wenn du mit dem Traktor direkt in die Kanzlei kommst?
Habe ich tatsächlich noch nie gemacht. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich in der Obersteiermark lebe und die Kanzlei in Graz ist. Die Anreise würde also schon einige Stunden in Anspruch nehmen. Lustig wäre es aber jedenfalls. 😊
8. Gibt es etwas in der Landwirtschaft, dass dich besser auf das Anwaltsleben vorbereitet
hat, als jedes Studium es könnte?
Definitiv die Lust unternehmerisch tätig zu sein. Darauf wird man auf der Uni nicht wirklich vorbereitet. Ich kann mir für mich nichts anderes mehr vorstellen.
9. Wenn du Jus als Ackerboden und deine Karriere als Saat beschreibst – was hast du bis
jetzt gepflanzt, und was möchtest du noch ernten?
Unsere Kanzlei ist auf Umweltrecht spezialisiert, ein Rechtsbereich der sich gerade sehr dynamisch entwickelt und immer mehr an Relevanz gewinnt. Insofern hoffe ich, dass es noch sehr viel zu “ernten” geben wird in den kommenden Jahren.
10. Was würdest du jungen Jurist:innen raten, die davon träumen, ihr Berufsleben
unkonventionell zu gestalten – vielleicht sogar so ungewöhnlich wie du?
Einfach machen und dranbleiben. Mut ist in diesem Kontext immer ein guter Ratgeber. 😊
Manuel Planitzer ist seit 2017 bei NHP Rechtsanwälte in Graz tätig und wurde im Jahr 2022 als Rechtsanwalt eingetragen. Sowohl die Gerichtspraxis als auch sein Studium absolvierte er in Wien.
Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt im Naturschutzrecht, Verkehrsrecht sowie im Bereich der Umweltverträglichkeitsprüfungen. Weitere Schwerpunkte umfassen das Abfall-, Infrastruktur- und Betriebsanlagenrecht, das Gewerberecht sowie das Stoff- und Chemikalienrecht.

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