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Ziele als Wegweiser – warum Ziele im Studium und Beruf so wichtig sind

Ob du gerade dein Jus-Studium beginnst, mittendrin steckst oder schon im Berufsleben angekommen bist: Es gibt Phasen, in denen man sich fragt, ob man eigentlich weiß, wo es hingehen soll. Zwischen Gesetzestexten, Deadlines, Prüfungen, Mandaten oder Kanzleialltag ist es leicht, den Fokus zu verlieren. Und wenn andere scheinbar zielstrebig auf ihre Karriere zusteuern, fühlst du dich vielleicht, als würdest du nur von To-do zu To-do hetzen.

Aber genau hier liegt die Kraft von persönlichen Zielen – nicht als perfekter Karriereplan, sondern als innerer Kompass, der dir hilft, deinen Weg bewusster zu gestalten. Ganz gleich, ob du noch studierst oder bereits als Juristin im Berufsalltag stehst.

Als ich im zweiten Semester meines Jus-Studiums saß…

…fühlte sich alles riesig an. Der Stoff. Die Prüfungen. Die Kollegin, die schon wusste, dass sie Richterin werden wollte – und ich? Ich wusste gerade mal, wo die Bibliothek ist.

Damals hätte ich nie gedacht, dass es völlig okay ist, (noch) keinen Plan zu haben. Aber was ich gelernt habe – und was ich dir mitgeben möchte – ist: Ziele müssen nicht endgültig sein. Aber sie bringen dich in Bewegung.

Warum Ziele so kraftvoll sind – im Studium und im Job:

Gerade in einem Bereich wie dem juristischen, der viel Eigenverantwortung, Ausdauer und Struktur erfordert, helfen dir Ziele dabei, dich nicht in der Komplexität zu verlieren. Es geht nicht darum, schon zu Beginn zu wissen, wo du in zehn Jahren sein wirst. Sondern darum, dir kleine Anker zu setzen, die dich durch den Alltag tragen – im Hörsaal genauso wie im Büro oder Gerichtssaal.

Und im echten Leben?

Ich habe Juristinnen getroffen, die im Studium sagten: „Ich will mal Führung übernehmen.“ Einige wurden Partnerinnen, andere gründeten Startups oder wechselten in Politik und NGOs. Nicht, weil sie den perfekten Plan hatten – sondern weil sie eine Richtung kannten und unterwegs den Mut hatten, Kurskorrekturen vorzunehmen.

Mein Impuls für dich:
  • Frag dich regelmäßig: Was motiviert mich gerade – und was nicht mehr?
  • Schreib deine Gedanken auf. Nicht für den Lebenslauf – für dich.
  • Halte Ziele flexibel. Was heute sinnvoll ist, darf sich morgen ändern.
  • Und dann: Fang mit einem kleinen Schritt an. Kein Ziel ist zu klein, wenn es dich weiterbringt.
Wie Ziele dich unterstützen können – ganz konkret:

Im Studium:

  • Etappenziele setzen: Zum Beispiel „Ich will diese Prüfung im ersten Antritt schaffen“ oder „Ich schließe dieses Semester ein Praktikum ab“.
  • Eigenes Interesse stärken: Wenn du weißt, was dich interessiert (z. B. Umweltrecht, Menschenrechte, Digitalisierung), wird das Lernen automatisch fokussierter.
  • Netzwerke gezielter aufbauen: Wer NGO-Ambitionen hat, besucht andere Veranstaltungen als jemand mit Kanzlei-Fokus.
  • Offen bleiben für neue Wege: Du wolltest Strafrecht – aber Zivilrecht fesselt dich plötzlich? Erlaub dir, die Richtung zu ändern.

Im Berufsalltag:

  • Konkrete Ziele setzen – auch im Kleinen: z. B. „Ich will bis zum Sommer eigenständig Schriftsätze führen“ oder „Ich halte in diesem Quartal meine erste Präsentation“.
  • Stärken ausbauen: Was liegt dir besonders? Verhandlung? Struktur? Menschenführung? Mach’s zu deinem Schwerpunkt.
  • Langfristige Visionen zulassen: Du musst nicht sofort Partnerin, Richterin oder Legal Designerin (was genau das ist – mehr zu einem anderen Zeitpunkt) sein – aber wenn du eine Idee davon hast, wohin es gehen könnte, triffst du klarere Entscheidungen im Jetzt.
  • Ziele regelmäßig reflektieren: Berufliche Lebensläufe sind selten linear. Vielleicht merkst du nach einem Jahr Kanzlei, dass du dich im Non-Profit-Bereich mehr entfalten kannst – das ist keine Niederlage, sondern Wachstum.

Ziele sind kein Korsett – sie sind ein Kompass. In einer juristischen Laufbahn, die so viele Wege und Rollen bietet, helfen dir Ziele, deinen Platz zu finden – nicht sofort, aber Schritt für Schritt. Sie geben Orientierung in einem Fach, das viel Raum lässt, aber wenig konkrete Vorgaben macht. Und manchmal ist genau dieser Kompass das, was dich davor bewahrt, dich selbst aus den Augen zu verlieren.

Nadine Schielin

Nadine ist Team-Lead am Paragraphinnen-Standort in Salzburg. Sie ist Rechtsanwaltsanwärterin in einer Kanzlei in Salzburg und studiert berufsbegleitend Wohn- und Immobilienrecht.