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Wenn weniger plötzlich mehr ist

Echte Einblicke, ehrliche Gedanken – über das Leben zwischen Job, Studium und Ehrenamt. #UnperfektVorwärts

Während eines Kurztrips mit Freundinnen habe ich zum ersten Mal seit Langem bewusst darüber nachgedacht, wie sehr sich mein Alltag verändert hat. Nicht von heute auf morgen – sondern leise, fast unmerklich. Und wie sehr ich selbst dazu beigetragen habe, indem ich „einfach immer weiter“ gemacht habe.

Die Arbeitswelt fordert heute oft mehr, als ein Mensch realistisch geben kann.
Es gibt Tage, da fühlt es sich an, als würde man mental 24/7 arbeiten — egal, ob man gerade im Büro, im Studium oder irgendwo dazwischen steckt. Und ja, auch ein Studium ist Arbeit. Der Kopf bleibt selten still. Man ist präsent, funktioniert, liefert ab — und verliert dabei manchmal die Freude am Tun.

Und dann kommen all die anderen Rollen dazu: Betreuungsverpflichtungen, Ehrenämter, Hobbys, die eigentlich guttun sollten, aber in hektischen Wochen plötzlich wie zusätzliche Termine wirken. Manchmal merkt man nicht einmal, was einem Energie gibt und was Energie entzieht — Tätigkeiten, Situationen, leider auch manchmal Menschen.. 

Ich gebe offen zu: Es gibt Wochen, da wünsche ich mir vor einem Termin, dass einfach jemand absagt oder etwas verschoben wird. Nicht, weil es mir egal wäre — sondern weil mein Körper Ruhe will, während mein Kopf noch im Arbeitsmodus feststeckt und die Aufgaben zuhause auch nicht enden. Und während ich eigentlich nur Tee trinken, mich zurückziehen und ein gutes Buch lesen möchte. Es passiert selten, aber wenn es passiert, merke ich, wie sehr es fehlt.

Irgendwann habe ich verstanden, dass ich mich nicht nur beruflich überlaste, sondern auch privat. Dass ich nicht in neun Vereinen gleichzeitig tätig sein muss, nur weil ich es immer war. Dass vier Ehrenämter reichen — und diese vier mir Freude machen.

Und dass Zurücknehmen nicht bedeutet, dass man weniger engagiert, weniger ehrgeizig oder weniger belastbar ist — sondern man bewusster mit seiner Energie und Zeit umgeht. 

Warum ich zwei Bücher empfehle?

Weil beide mir Impulse gegeben haben, die etwas in mir verschoben haben. Nicht alles auf einmal, sondern Stück für Stück. Ich möchte auch explizit erwähnen, dass ich keine Expertin bin – ich teile nur, was mir gut tut.

„Konsequent 60 Prozent“ – Martha Dudzinski

Ein ehrliches Buch über eine Arbeitswelt, die immer mehr fordert und Menschen, die versuchen mitzuhalten, bis nichts mehr geht. Martha Dudzinski zeigt, warum alte Produktivitätsmuster scheitern und wie man Energie statt Zeit managt. Ihr Kerngedanke: Mit 60 Prozent Einsatz kann man oft 100 Prozent Ergebnis erreichen — wenn man aufhört, sich selbst auszubrennen.

Ein kluger Anstoß, Arbeit neu zu denken — ohne romantische Selbstoptimierung.

„The Let Them Theory“ – Mel Robbins

Ein Ansatz, der sagt: Lass Menschen tun, was sie tun. Lass Situationen laufen, ohne sie kontrollieren zu wollen.
Je mehr man loslässt, desto weniger Energie verliert man an Erwartungen anderer.

Leicht, aber meiner Meinung nach lebensverändernd — besonders für Menschen, wie auch mich, die immer „mitdenken“.

In den letzten zehn Monaten, seit dieser Prozess begonnen hat, merke ich, wie viel Energie zurück kommt. Auch dann, wenn ich mal nur vier Stunden schlafe.
Ich habe wieder Freude an den Dingen, die ich mache.
Und ich lerne jeden Tag — im Kleinen wie im Großen — wie man Dinge besser angeht, wie man scheitert, wie man neu beginnt.
Man muss sich dafür Zeit geben. Geduld haben. Und manchmal mutig sein.

Denn:
 Weniger wird dann mehr, wenn wir uns trauen, nicht nur Aufgaben – sondern auch Erwartungen loszulassen.

P.S.: Ich sitze gerade im Flieger am Weg von London zurück nach Wien und höre Taylor Swift – eine Frau, die einfach macht, und die in ihrer Konsequenz und Kreativität kaum zu übertreffen ist. Jedes Mal erinnert sie mich daran, wie viel möglich ist, wenn man seinen eigenen Weg geht. Vielleicht sollte ich meine nächste längere Autofahrt (natürlich nur als Beifahrerin) oder die nächste Flugreise dafür nutzen, mir bewusst Gedanken darüber zu machen, was man sich eigentlich von ihr abschauen kann.

Stefanie Kartusch

Stefanie ist COO der Paragraphinnen und bringt als echtes Organisationstalent Struktur in jedes Projekt. Als Allrounderin behält sie den Überblick und sorgt dafür, dass viele Formate der Paragraphinnen reibungslos umgesetzt werden. Sie studiert berufsbegleitend Jus und arbeitet an der Johannes Kepler Universität.