Zu Beginn dieser Kolumne habe ich erwähnt, dass ich als Head of Business Development bei einer der größten Wirtschaftskanzleien Österreichs arbeite. Und falls du dich jetzt wieder fragst, was das eigentlich genau ist – hier die kurze Antwort: Business Development im Kanzlei-Kontext hat keine einheitliche Definition. Im Kern geht es aber um die langfristige Entwicklung und Positionierung einer Kanzlei. Klingt strategisch? Ist es auch. Klingt abstrakt? Ein bisschen. Konkret heißt das: Ich beschäftige mich mit der Frage, wie wir als Kanzlei erfolgreicher werden können – im Markt, im Team, gegenüber unseren Mandantinnen.
Und genau das bringt mich zum Thema Erfolg.
Wer mich kennt oder unser Buch Jus(t) Between Us gelesen hat, weiß: Ich sage oft, dass sich unsere Generation Erfolg neu definiert – und das völlig zu Recht. Diese Definition ist individuell. Aber wenn du – wie viele von uns – deinen Erfolg auch an deine Karriere knüpfst, dann kommen hier Just My Thoughts über die Karriereplanung, die dir niemand über Karriereplanung sagt, die aber entscheidend sein können.
Ich habe seit Studienbeginn gearbeitet – in Kanzleien aller Größen, im Ausland, in Start-ups und natürlich bei den Paragraphinnen. Meine Pläne haben sich dabei oft verändert. Aber wenn ich meinem damaligen Ich heute einen Rat geben könnte, wären es genau diese Punkte:
Wenn du eine Kanzlei-Karriere anstrebst – egal ob groß oder klein – geht es immer um Menschen. Mandantinnen, Kolleginnen, Vorgesetzte: Sie alle arbeiten mit dir, nicht nur mit deinem Lebenslauf. Fachliche Exzellenz wird vorausgesetzt, dafür wirst du auch bezahlt. Aber Erfolg hängt genauso davon ab, ob Menschen dir vertrauen – und dich mögen.
Nimm dir also Zeit, in Beziehungen zu investieren. Besonders auf Führungsebene zählt am Ende oft die Frage: „Wollen wir mit dieser Person zusammenarbeiten?“ Und das geht nur, wenn echtes Vertrauen da ist.
Jede Kanzlei ist – egal in welcher Größe – ein Unternehmen. Und jede Personalentscheidung ist auch eine wirtschaftliche. Je weiter du aufsteigst, desto teurer wirst du – im besten wie im wörtlichen Sinn. Das heißt: Neben fachlicher Qualität zählen auch deine Zahlen, dein Netzwerk und dein Beitrag zum Geschäft.
Fang daher früh an, Mandate zu akquirieren, dein Netzwerk aufzubauen und deinen wirtschaftlichen Wert zu verstehen. Du kannst die beste Juristin sein – aber ohne People Skills und Business Sense wird der Weg holprig. Akquise ist aber eine eigene Kunst. Mehr dazu vielleicht ein anderes Mal.
Klar, du solltest dein Fachgebiet spannend finden. Aber vergiss nicht: Deine Spezialisierung beeinflusst dein Umfeld, dein Netzwerk und deine Entwicklungschancen. Frag dich: „Welche Themen werden in Zukunft wichtig?“ und „Wo liegen meine Stärken?“
Und ja – manche Rechtsbereiche sind wirtschaftlich stärker als andere. Diese haben oft mehr Sichtbarkeit, mehr Einfluss und größere Budgets. Es ist also kein Zufall, dass wirtschaftlich starke Bereiche auch mehr Mitsprache haben.
Wenn du das Ziel hast, rasch Principal, Counsel oder Partnerin zu werden, wirf unbedingt einen Blick auf die Teamstruktur.
Je größer das Team und je mehr Senior-Positionen schon besetzt sind, desto länger kann dein Aufstieg dauern. Nicht, weil du weniger gut bist – sondern, weil die wirtschaftliche Logik dagegen spricht. Informiere dich also genau, wie groß das Team ist und welche Perspektiven realistisch sind.
Man kann es nicht oft genug sagen: Wenn du erfolgreich sein willst, brauchst du einen Business Plan.
Und ja – das sagt dir am Anfang niemand.
Überleg dir: Wie will ich Geld verdienen? Was ist mein USP? Wer ist mein Publikum – und wie erreiche ich es?
Das hängt eng mit deiner Spezialisierung, Kanzleigröße und Teamstruktur zusammen. Dein Plan wird sich über die Jahre verändern – aber es ist nie zu früh, einen zu haben.
Bei den Paragraphinnen reden wir oft über Soft Skills – und das aus gutem Grund.
Eine saubere Recherche oder gute Argumentation können viele (wenn auch nicht alle). Aber Kommunikation, Empathie, Haltung und Präsenz machen den Unterschied.
Beobachte Menschen, die dich im beruflichen Kontext inspirieren: Wie treten sie auf? Wie kommunizieren sie? Was macht sie überzeugend?
Lerne von ihnen – aber bleib dir selbst treu. Dein persönlicher Stil ist dein USP.
Mein persönlicher Pet Peeve: Dieses ständige „Ich bin so busy!“ News Flash: Das sind wir alle.
Ob Studium, Berufseinstieg oder Kanzleialltag – jede von uns hat viel zu tun.
Aber Dauerstress ist kein Statussymbol. Im Gegenteil: Wer nie Zeit hat, wirkt oft ineffizient oder schlecht organisiert. Effizienz schlägt Dauerstress – immer.
Und am Ende: Manchmal braucht es einfach Glück.
Aber das Schöne ist – je mehr du in dich investierst, desto öfter hast du dieses Glück.
Erfolg ist selten das Ergebnis eines einzigen Moments. Es ist das Zusammenspiel vieler kleiner Entscheidungen – und manchmal ein bisschen Zufall.
Deshalb: Nimm das Thema Karriereplanung ernst – aber auch mit Leichtigkeit. Cum grano salis, wie man so schön sagt.
Was hättest du gerne früher über deine Karriere gewusst? Erzähl’s mir beim nächsten Paragraphinnen-Event!
xx
Dora
Dora ist die Gründerin der Paragraphinnen und prägt mit ihrer Arbeit Formate wie Events, Podcasts und Mentoring-Programme. Wenn sie nicht gerade neue Impulse für die Paragraphinnen setzt, ist sie als Head of Business Development bei DORDA Rechtsanwälte tätig. Dora hat Jus an der Universität Wien studiert. Sie wurde mit dem Justitia Award ausgezeichnet und zählt zu den 35 unter 35 Frauen des Brigitte-Bierlein-Frauenpreises.
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