Frauenförderung ist längst nicht mehr ein Nebenthema. Doch wie kann dies umgesetzt werden? Gudrun Schabetsberger beleuchtet in diesem Beitrag die Bedeutung von Frauenförderung als Investition in die Zukunftsfähigkeit von Kanzleien.
Die Rechtsbranche ist in Bewegung. Neue Technologien verändern unsere Arbeitsweise, Mandant:innen stellen neue Anforderungen an ihre Berater:innen und der Wettbewerb um die besten juristischen Talente bleibt hoch. Für Kanzleien stellt sich damit eine zentrale Frage: Was macht uns langfristig erfolgreich und anpassungsfähig?
Ein wesentlicher Faktor sind die Menschen, die eine Kanzlei prägen – und die unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten, die sie mitbringen.
Für uns bei KWR ist Frauenförderung deshalb weit mehr als ein Diversity-Thema. Es geht darum, vorhandenes Potenzial zu erkennen, zu fördern und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Frauen auf allen Karrierestufen Verantwortung übernehmen und die Kanzlei mitgestalten können. Das ist eine Frage der Chancengleichheit – aber ebenso eine Frage der Qualität und Zukunftsfähigkeit.
An hervorragend ausgebildeten Juristinnen mangelt es nicht. Frauen sind ein selbstverständlicher Teil des juristischen Nachwuchses. Laut den offiziellen Standesmeldungen der Rechtsanwaltskammer sind 52,6 Prozent der eingetragenen Rechtsanwaltsanwärter:innen Frauen. Trotz der weiblichen Mehrheit bei den Absolvent:innen sinkt der Anteil der eingetragenen, selbstständigen Rechtsanwältinnen in Österreich auf 25,6 Prozent. (ÖRAK, Stichtag 31.12.2025). Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob genügend weibliche Talente vorhanden sind, sondern welche Möglichkeiten ihnen im weiteren Karriereverlauf offenstehen.
Wer bekommt früh Verantwortung? Wer arbeitet an herausfordernden Mandaten? Wer hat direkten Kontakt zu Mandant:innen? Wer baut Netzwerke auf, ist sichtbar und wird beim nächsten Karriereschritt mitgedacht?
Karrieren entstehen aus vielen solcher Entscheidungen. Frauen zu fördern, bedeutet für uns deshalb nicht, Anforderungen zu verändern oder Sonderwege zu schaffen. Es bedeutet, Potenzial zu erkennen und die entsprechenden Chancen zu eröffnen.
Das ist nicht nur für den einzelnen Karrierepfad relevant. Eine Kanzlei, die die besten Köpfe für sich gewinnen will, kann es sich schlicht nicht leisten, einen wesentlichen Teil ihres Talentpotenzials nicht voll auszuschöpfen.
Gerade in Zeiten, in denen sich Rahmenbedingungen schnell verändern, ist Vielfalt auch eine Frage der unternehmerischen Stärke.
Unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen helfen dabei, Fragestellungen aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten, Annahmen zu hinterfragen und neue Lösungswege zu finden. Das ist für die Qualität juristischer Beratung ebenso relevant wie für den unternehmerischen Erfolg der Kanzlei.
Denn auch wir müssen uns laufend weiterentwickeln. KI und Automatisierung verändern bereits heute die juristische Arbeit. Die Erwartungen unserer Mandant:innen entwickeln sich weiter und mit ihnen die Kompetenzen, die künftig gefragt sein werden. Gleichzeitig haben sich die Vorstellungen jüngerer Jurist:innen davon verschoben, wie sie arbeiten und Karriere machen möchten.
In einem solchen Umfeld bedeutet Resilienz für uns nicht nur, mit Veränderungen Schritt zu halten. Es geht darum, offen zu bleiben, vorausschauend zu handeln und sich als Organisation weiterzuentwickeln. Unterschiedliche Perspektiven sind dabei besonders wertvoll.
Karrierewege verlaufen heute nicht immer geradlinig. Gerade in der Rechtsbranche sind unterschiedliche berufliche Stationen Teil vieler Laufbahnen. Für uns steht deshalb im Vordergrund, während der gemeinsamen Zeit Entwicklung zu ermöglichen, Verantwortung zu übertragen und individuelle Stärken zu fördern.
Gleichzeitig wollen wir bei KWR ein Umfeld schaffen, in dem jene, die ihren Weg bei uns weitergehen möchten, langfristige Perspektiven haben – bis hin zur Partnerschaft.
Dazu gehören Rahmenbedingungen, die unterschiedlichen Lebensphasen Rechnung tragen. Flexible Arbeitsmodelle, ein selbstverständlicher Umgang mit Elternschaft und individuelle Karrierewege stehen für uns nicht im Widerspruch zu Leistungsbereitschaft und Exzellenz. Entscheidend ist vielmehr, dass berufliche Entwicklung nicht daran scheitert, dass sich persönliche Rahmenbedingungen verändern.
Und das ist längst kein reines Frauenthema. Auch Männer übernehmen heute selbstverständlich familiäre Verantwortung. Die Frage, wie sich eine anspruchsvolle Karriere mit anderen Lebensbereichen verbinden lässt, beschäftigt eine ganze Generation von Jurist:innen.
Gerade deshalb profitieren am Ende alle von Strukturen, die häufig unter dem Schlagwort „Frauenförderung“ diskutiert werden. Für Kanzleien sind sie heute ein wesentlicher Bestandteil einer modernen Arbeits- und Führungskultur.
Sichtbarkeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Wenn junge Juristinnen Frauen in verantwortungsvollen Positionen erleben, wird ganz konkret sichtbar, welche Karrierewege in einer Kanzlei möglich sind.
Vorbilder allein reichen allerdings nicht. Entscheidend ist, was im Arbeitsalltag passiert: Wem wird etwas zugetraut? Wer erhält Verantwortung? Wer bekommt die Möglichkeit, sich zu zeigen und weiterzuentwickeln?
Genau hier entsteht auch eine glaubwürdige Arbeitgebermarke. Employer Branding beginnt für uns nicht auf Social Media oder auf der Karriereseite. Es beginnt mit der Erfahrung, die Menschen bei KWR tatsächlich machen.
Und diese Erfahrung wirkt weiter – auch wenn sich berufliche Wege irgendwann trennen. Die österreichische Rechtsbranche ist gut vernetzt. Aus ehemaligen Kolleg:innen werden Alumni, Mandant:innen, Geschäftspartner:innen oder vielleicht irgendwann wieder Kolleg:innen. Gute Personalentwicklung ist deshalb nie nur eine Investition in den Moment.
Frauenförderung bedeutet für uns bei KWR daher nicht, möglichst viele einzelne Maßnahmen unter diesem Titel zu setzen und diese zu vermarkten. Vielmehr geht es darum, sich als Kanzlei immer wieder zu fragen: Nutzen wir das Potenzial, das bereits da ist? Schaffen wir echte Entwicklungsmöglichkeiten? Und sind unsere Strukturen offen genug für unterschiedliche Wege?
Denn eine Organisation, die unterschiedliche Talente für sich gewinnt, ihnen Verantwortung zutraut und verschiedene Perspektiven in ihre Entscheidungen einbezieht, ist nicht nur ein attraktiverer Arbeitgeber. Sie ist auch besser darauf vorbereitet, mit Veränderungen umzugehen.
In Frauen zu investieren bedeutet für uns deshalb, in Talent, Qualität und unterschiedliche Perspektiven zu investieren – und damit letztlich in die Zukunftsfähigkeit unserer Kanzlei.
Gudrun Schabetsberger ist Marketing Manager und Employer Branding Managerin bei KWR Karasek Wietrzyk Rechtsanwälte.
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