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Von der Uni in die Kanzlei: Dein Lebenslauf als Türöffner – 6 Tipps und was du vermeiden solltest

Ein juristischer Lebenslauf ist weit mehr als eine Auflistung von Stationen. Er ist deine Visitenkarte, dein Pitch – dein erstes Plädoyer für dich selbst. Und er entscheidet oft in wenigen Sekunden, ob du zum Gespräch eingeladen wirst oder nicht. Aus meiner täglichen Arbeit in der Personalabteilung einer auf öffentliches Wirtschaftsrecht spezialisierten Kanzlei weiß ich: Viele Bewerbungen haben inhaltlich viel zu bieten, scheitern aber durch Layout-Chaos, vage Formulierungen oder veraltete Infos daran das Interesse der Recruiter:innen zu gewinnen.

 

6 Tipps, mit denen dein Lebenslauf überzeugt

1. Achte auf Aktualität
Beginne mit deiner aktuellsten beruflichen Station und arbeite dich zurück. Diese sogenannte antichronologische Ordnung hat sich in der juristischen Praxis durchgesetzt – sie signalisiert Klarheit, Aktualität und ein Gefühl für das Wesentliche.

2. Fokus auf relevante Infos
Nutze klar abgegrenzte inhaltliche Blöcke, wie sie in der HR-Praxis erwartet werden:

  • Persönliche Daten: Name, Adresse, Kontakt (keine unprofessionellen E-Mail-Adressen!)
  • Berufserfahrung: Firma, Position, Zeitraum, aussagekräftige Tätigkeitsbeschreibung & ggf. Erfolge
  • Ausbildung: Höhere Schule, Studienabschluss, Schwerpunkte, akademische Leistungen
  • Skills/Sonstiges: Softskills, Mitgliedschaften, Ehrenamt, Moot Courts, Publikationen, Interessen

Die Volksschulzeit interessiert nach abgelegter Matura und einem laufenden Studium wohl niemanden mehr. Ebenso wenig ein einmaliges Sommerpraktikum im Eissalon. Konzentriere dich auf das, was für deine juristische Karriere aussagekräftig ist und deine:n Zielarbeitgeber:in interessieren könnte.

3. Gib dem Inhalt Struktur
Dein juristischer CV sollte visuell zurückhaltend und stimmig sein. Nutze Bulletpoints, klare Linien und Hervorhebungen. Verzichte auf grelles oder verspieltes Design oder übertriebene Farbenspiele.

4. Nutze ein Bewerbungsfoto
Ein Bewerbungsfoto ist in Österreich zwar keine Pflicht, aber im juristischen Umfeld nach wie vor üblich und kann ein Vorteil sein, wenn es professionell gemacht ist. Es vermittelt Seriosität und Offenheit auf den ersten Blick.

5. In der Kürze liegt die Würze
Beschränke deinen CV auf 1–2 Seiten: kompakt, aber vollständig!

6. Das gewisse Etwas
Nutze einen individuellen Claim (Leitsatz), der dich gut sichtbar und prägnant vorstellt. Halte darin deine Qualifikation fest und drücke aus, was du vorhast bzw. was du beitragen möchtest. So kannst du mit Individualität punkten.

 

Die häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest

Einige Stolpersteine tauchen immer wieder auf. Hier einige gängige Fehler und ihre Lösungen:

  • Rechtschreibfehler, Grammatikpatzer → Rechtschreibkorrekturen nutzen und gegenlesen lassen. Immer.
  • Vage Tätigkeitsbeschreibungen → Statt „Bearbeitung von Fällen“ lieber konkret: „Selbstständige Betreuung von Mandant:innen im Arbeitsrecht, inkl. Prozessführung“
  • Veraltete Angaben → Jobs, die längst beendet sind, dürfen nicht mehr als „laufend“ geführt werden.
  • Fehlende Kontaktdaten → Aktuelle, gut sichtbare Telefonnummer und E-Mail sind
    Pflicht.
  • Unprofessionelles Fotos →Wenn Foto, dann richtig: ruhiger Hintergrund, gepflegtes, freundliches Auftreten. Keine Selfies, Passfotos oder kreative Bildausschnitte.
  • CV wird als Word-Datei geschickt → Verwende ein PDF Format, idealerweise benannt nach dem Schema: „CV_Vorname_Nachname.pdf“. So verrutscht deine Formatierung gewiss nicht.

 

Fazit

Was zählt, ist nicht Design – sondern Substanz. Wer Klartext schreibt und seine Stärken zeigt, wird gesehen. Zeige, was du geleistet hast, nicht nur, was deine Jobtitel war.

Und noch ein Extra-Tipp: Neben einem überzeugenden Lebenslauf ist es vor allem das individuell auf das Unternehmen zugeschnittene Anschreiben, das den Unterschied macht – denn ein Schreiben, das an jeden beliebigen Arbeitgeber gerichtet sein könnte, landet meist direkt auf dem Absagestapel. Nimm dir die Zeit dafür.

Wenn du die genannten Punkte beachtest, präsentierst du dich nicht nur professionell, sondern machst auch die Arbeit der HR leichter. Und glaub mir: Das merken wir – und wir schätzen es.

Riss

Mag. Liesa Riss

Mag. Liesa Riss ist seit 2020 Head of HR bei NHP Rechtsanwälte in Wien und verantwortet dort die strategische und operative Personalführung. Zuvor war sie über zehn Jahre im Human-Resources-Bereich der Reed Messe Wien tätig, wo sie umfassende Erfahrung in Personalentwicklung, Recruiting und Organisationsgestaltung sammelte. Ihren akademischen Hintergrund erwarb sie an der Wirtschaftsuniversität Wien, wo sie das Studium der Sozioökonomie mit Vertiefung im Personalmanagement abschloss.