Small Talk wirkt oft oberflächlich – dabei entscheidet er über den ersten Eindruck. Das sind Jus(t) My Thoughts darüber, wie aus kurzen Begegnungen echte Gespräche entstehen können
Wenn du so bist wie ich, dann sagst du wahrscheinlich auch: tiefgründige Gespräche sind dir viel wichtiger, während Small Talk eher anstrengend wirkt. Gleichzeitig wissen wir beide, dass der erste Eindruck in wenigen Sekunden entsteht – und meistens geschieht das eben beim Small Talk. Ob im Hörsaal neben einer fremden Person, bei einer Karrieremesse am Stand eines potenziellen Arbeitgebers oder auf einem Networking-Event: das erste Gespräch entscheidet.
Bevor ich dir meine Tipps verrate, eine kleine Anekdote vom allerersten Paragraphinnen-Event im Jahr 2021. Wir hatten ein großes Kick-Off mit über 50 Teilnehmer:innen. Peu à peu trudelten alle ein – und was passierte? Kaum angekommen, suchten sie sich sofort Plätze im Publikum, zückten Notizblöcke und Handys und warteten gespannt auf den „Vortrag“. Networking? Fehlanzeige. Ein holpriger Start für ein Event, das am Ende dennoch großartig wurde – und das weil unser Team die Teilnehmerinnen direkt ins Gespräch geholt hat.
Aber wie gelingt das im Alltag ohne sich den Kopf zu zerbrechen?
Ob Networking-Newbie oder Vollprofi – die sogenannte FORD-Methode ist ein wunderbarer roter Faden für jedes Gespräch, das auch auch selbst immer wieder anwende. Sie steht für Family, Occupation, Recreation und Dreams – vier Themenfelder, über die fast jede Person gerne spricht, ohne dass es sofort zu privat oder zu technisch wird. Also bevor du das nächste Mal zu belanglosen Floskeln wie „Was machst du?“ oder „Wo kommst du her?“ greifst, denk an diese Themen, wo du mit gezielten Fragen Interesse zeigen kannst und schnell Gemeinsamkeiten entdecken kannst.
Der Charme der FORD-Methode liegt darin, dass sie sich mühelos in jeden Kontext einfügt – beim Business-Lunch ebenso wie beim Netzwerken oder im privaten Umfeld. Entscheidend ist dabei weniger das Abhaken der Buchstaben als das echte Zuhören: Auf eine Antwort einzugehen, weiterzufragen und eigene Erfahrungen einzubringen, macht aus Small Talk ein Gespräch mit Tiefe.
Eine kleine Weisheit, die ich dir zum Schluss noch mitgeben möchte: Der erste Eindruck zählt – aber der letzte bleibt. Mindestens so wichtig wie die Gesprächsführung ist also der Abschluss. Mir wurde einmal gesagt, die gängigsten Ausstiege seien: „Ich hole mir kurz was zu trinken“ oder „Ah, da drüben ist eine Kollegin, die ich noch begrüßen muss.“ Praktisch, ja – aber ehrlich gesagt auch ein bisschen lieblos.
Mein Favorit ist daher ein wertschätzender Abschluss wie: „Es war wirklich schön, mit dir zu sprechen und dich kennenzulernen. Lass uns gerne zu Thema XY in Kontakt bleiben – ich bin gespannt, mehr über dein Projekt/Trip/Idee zu erfahren.“
Gerade in einem People’s Business wie der Juristerei ist gekonnter Small Talk ein Schlüssel für echten Beziehungsaufbau.
Ich hoffe, dass du die FORM-Methode bei deinem nächsten Paragraphinnen-Event einmal ausprobierst. Und wer weiß – vielleicht sehen wir uns dort?
Xx
Dora
Die gute Nachricht: Small Talk ist kein angeborenes Talent, sondern ein Skill, den man lernen und üben kann.
Dora ist die Gründerin der Paragraphinnen und prägt mit ihrer Arbeit Formate wie Events, Podcasts und Mentoring-Programme. Wenn sie nicht gerade neue Impulse für die Paragraphinnen setzt, ist sie als Head of Business Development bei DORDA Rechtsanwälte tätig. Dora hat Jus an der Universität Wien studiert. Sie wurde mit dem Justitia Award ausgezeichnet und zählt zu den 35 unter 35 Frauen des Brigitte-Bierlein-Frauenpreises.
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