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Paragraphinnen x Schoenherr London Liaison Office

Mit dem neuen London Office stärkt Schönherr seine Präsenz im Zentrum des europäischen Finanzmarkts. Als Liaison Office verbindet der Standort internationale Investor:innen und Partnerkanzleien direkt mit der starken CEE-Expertise der Kanzlei. Gerade in herausfordernden Zeiten schafft Schönherr so Nähe, Vertrauen und neue Chancen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

1. Herr Lukic, Schönherr eröffnet ein Büro in London – was war die zentrale Motivation hinter diesem Schritt?
War es vor allem ein strategischer Zugang zum internationalen Kapitalmarkt, oder steckt auch ein kultureller Brückenschlag dahinter?

Beides. London ist das Herz des europäischen Finanzmarkts – hier werden viele Investitions- und Finanzierungsentscheidungen getroffen, die auch Mittel- und Osteuropa betreffen. Mit dem neuen Büro wollen wir diese Nähe bewusst herstellen. Gleichzeitig verstehen wir uns als Brückenbauer: Wir bringen unsere CEE-Expertise dorthin, wo unsere Partner:innen und Mandant:innen bereits tätig sind. Es geht also nicht um englisches Recht, sondern um den direkten Austausch – fachlich und persönlich.


2. London gilt als einer der wichtigsten globalen Finanz- und Rechtsstandorte.
Was bedeutet es für Schönherr, hier präsent zu sein – und worin unterscheidet sich ein „Liaison Office“ von einem klassischen Kanzleistandort wie in CEE?

Wie erwähnt, unser London Office ist keine Kanzlei im Sinne einer Praxis für englisches Recht. Es ist vielmehr ein strategisches Verbindungsglied – ein Ort, an dem wir präsent sind, um Gespräche zu führen und Kontakte zu pflegen. Unsere juristische Arbeit bleibt in den CEE-Jurisdiktionen verankert. Das London-Büro schafft jedoch eine unmittelbare, persönliche Verbindung zu den internationalen Kanzleien, Finanzinstituten und Investor:innen, mit denen wir tagtäglich zusammenarbeiten.


3. Welche Rolle spielt das neue London-Office konkret für die Mandantinnen von Schönherr in Zentral- und Osteuropa? Wird London künftig so etwas wie das internationale „Tor“ der Kanzlei?

Ja, in gewisser Weise. Viele unserer Mandant:innen – insbesondere Banken, Fonds oder börsennotierte Unternehmen – sind über London mit internationalen Kapitalströmen verbunden. Das Büro fungiert als Anlaufstelle, um diese Brücke professionell zu gestalten und die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnerkanzleien noch enger und effizienter zu machen.


4. Sie selbst haben eine beeindruckende internationale Karriere gemacht. Was bedeutet es Head of London Office zu sein?
Welche persönlichen Erfahrungen oder Überzeugungen haben Sie in diesen Schritt mit einfließen lassen?

Für mich ist die Ernennung zum Head of London Office eine bewusste Rückkehr an einen Ort, an dem meine internationale Laufbahn begonnen hat. Ich habe an der University of Oxford (Oriel College) studiert und damit bereits früh den Londoner Markt und seine Vernetzungen kennengelernt. Dieses Fundament ermöglicht es mir heute, gemeinsam mit unserem Team und unseren Partnerkanzleien in London authentisch als Brücke zwischen London und CEE zu agieren.


5. Viele Jus-Studierende fragen sich: Wie international kann man eigentlich sein, wenn man österreichisches Recht studiert?
Wie würden Sie ihnen erklären, warum internationale Erfahrung – und vielleicht sogar ein Standort wie London – trotzdem wichtig ist?

Ich bin vielleicht selbst ein Beispiel dafür, wie man mit einem österreichischen Jus-Studium internationale Wege gehen kann. Ich habe in Graz studiert und später in Oxford meinen MJur gemacht – diese Kombination hat mir viele Türen geöffnet. Das Rechtssystem mag national sein, aber Wirtschaft, Märkte und Menschen sind international. Wer über den juristischen Tellerrand blickt, und andere Perspektiven versteht, wird in einer global vernetzten Welt erfolgreicher verhandeln, beraten und gestalten können. Internationale Erfahrung erweitert nicht nur das Wissen, sondern auch das Denken.

Außerdem spielt bei Schönherr Internationalität im Alltag eine zentrale Rolle – sowohl in der Zusammenarbeit mit Mandant:innen als auch im Team. Dadurch ist der Berufseinstieg bei Schönherr ein perfektes Sprungbrett für all jene, die sich international entfalten wollen. Wir beraten regelmäßig auf Englisch, arbeiten an grenzüberschreitenden Mandaten und sind allzeit in engem Austausch mit unseren Kolleg:innen in 15 Ländern. Diese Vielfalt an Sprachen, Kulturen und Perspektiven prägt nicht nur die Arbeit, sondern auch die persönliche Entwicklung: Man lernt, über Grenzen hinweg zu denken, unterschiedliche Herangehensweisen zu verstehen und sich in internationalen Teams zu bewegen. Schönherr unterstützt aktiv dabei, Auslandserfahrung zu sammeln – sei es durch Secondments innerhalb des Netzwerks oder bei Partnerkanzleien – und fördert so die fachliche wie persönliche Weiterentwicklung. 

6. Internationalität bedeutet auch kulturelle Vielfalt und Kommunikation über Rechtsordnungen hinweg.
Welche Fähigkeiten braucht eine Juristin oder ein Jurist von morgen, um in so einem Umfeld erfolgreich zu sein?

Neugier, Empathie und Kommunikationsfähigkeit. Juristisches Wissen ist die Basis, aber wer international arbeitet, muss zuhören, Zusammenhänge verstehen und Brücken schlagen können – zwischen Sprachen, Rechtskulturen und Denkweisen.

7. Viele träumen von einer internationalen Karriere – scheitern aber an der Frage, wo sie anfangen sollen.
Welchen konkreten Tipp würden Sie einer Jus-Studentin geben, die später grenzüberschreitend arbeiten möchte?

Heute ist die Welt vernetzter und globaler denn je – das eröffnet viele Chancen, verlangt aber auch Fokus. Mein Rat wäre: früh überlegen, wo man in fünf Jahren stehen möchte, und sich fragen, welche Schritte und Fähigkeiten dafür notwendig sind. Internationale Erfahrung entsteht nicht zufällig, sondern durch bewusste Entscheidungen. Wer sich doch noch nicht sicher ist, ob eine internationale Laufbahn das Richtige ist, findet jedenfalls in einer international tätigen Kanzlei wie unserer eine ideale Gelegenheit, erste Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, wohin der Weg führen kann.


8. In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlicher Spannungen:
Warum ist es gerade jetzt wichtig, Brücken zwischen London und Mittel- bzw. Osteuropa zu bauen?

Gerade jetzt ist Vertrauen entscheidend. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Westeuropa und CEE sind eng, aber komplexer geworden. London bleibt ein globales Zentrum für Kapital und Know-how, CEE eine Region voller Dynamik und Chancen. Unsere Aufgabe ist es, diese Beziehungen rechtlich zu unterstützen und Raum für „opportunities“ auch in unsicheren Zeiten zu schaffen – für Investitionen, Projekte und Zusammenarbeit.

 

9. Und ganz persönlich gefragt:
Was ist Ihr eigener Antrieb hinter solchen Projekten?
Was begeistert Sie daran, Schönherr international weiterzuentwickeln?

Mich begeistert die Idee, etwas aufzubauen, das über Ländergrenzen hinaus Wirkung zeigt. Internationale Arbeit ist immer Teamarbeit – sie bringt Menschen, Perspektiven und Ideen zusammen. Daraus kann Großes entstehen. Das ist mein Antrieb – und auch der Geist, mit dem wir das London-Büro gegründet haben.

Mag. Sebastian Lukic, MJur,

Mag. Sebastian Lukic, MJur ist seit 2021 als Rechtsanwalt in Österreich zugelassen und auf Arbitration und Dispute Management spezialisiert. Nach Studien an der University of Oxford und der Universität Graz sammelte er umfassende Erfahrung bei österreichischen Gerichten, der Staatsanwaltschaft, der österreichischen Botschaft in Madrid sowie in mehreren nationalen Kanzleien. Heute leitet er für Schönherr das Liaison Office in London und fungiert als Schnittstelle zwischen dem UK-Markt und den CEE-Praxisgruppen.