9-to-5? Fehlanzeige. Das sind Jus(t) My Thoughts rund um neue Arbeitsmodelle, ständige Erreichbarkeit und die Suche nach Balance.
Fun Fact: Ich bin in einem Haushalt mit sehr starken Frauen aufgewachsen. Eine davon ist meine Oma – eine Powerfrau der 50er- und 60er-Jahre: stark, progressiv und immer modisch. Wenn es damals schon den Begriff „Office Siren“ gegeben hätte, wäre sie die perfekte Verkörperung gewesen.
Heute ist meine Oma über 80, und wir sitzen oft zusammen, reden über Gott und die Welt. Ein Thema, das sie immer besonders interessiert, ist mein Arbeitsalltag. Vor Kurzem hat sie mich gefragt, wie ich eigentlich meine Arbeitszeit aufzeichne – ob ich mich beim Portier anmelde, wenn ich ins Büro gehe, und mich am Abend wieder abmelde. Ich musste lachen und sie ein bisschen verwirrt ansehen: Klassische Arbeitszeiten? Arbeitszeitaufzeichnung? Bei mir Fehlanzeige. Ich arbeite gefühlt 24/7. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an meine Arbeit denke – sei es für die Paragraphinnen oder in meiner Rolle als Head of Business Development in einer großen Wirtschaftskanzlei.
Wenn ich mit meinem Hund unterwegs bin, denke ich darüber nach, was gerade gut läuft – und was nicht. Beim Abendessen mit meinem Freund (auch Jurist) sprechen wir oft über neue Trends in der Branche. Und wenn ich mit Freundinnen oder meinem Paragraphinnen-Team zusammensitze, geht es ebenfalls um anstehende Aufgaben und Herausforderungen.
Ich glaube nicht. Eher gibt es den „Infinite Workday“. Diesen Begriff habe ich kürzlich zum ersten Mal gehört, und er hat mich sofort beschäftigt. Ein Infinite Workday ist der Anti-9-to-5: Arbeit, die 24/7 weiterläuft. Nicht, weil man rund um die Uhr aktiv arbeitet, sondern weil sich der Arbeitskreis ständig weiterdreht und man nie ganz aussteigt.
Hast du gewusst, dass 40 % der White-Collar-Arbeiter:innen schon um 6 Uhr morgens ihre ersten E-Mails schreiben (ja, ich gehöre dazu) und 30 % auch nach 22 Uhr noch Mails checken (guilty again)? Kein Wunder also, dass man das Gefühl hat, nie ganz abschalten zu können. Gerade in unserer juristischen Branche, in der Mandanten-Erreichbarkeit oft Pflicht ist, ist das gelebte Realität.
Klingt dystopisch? Ist es aber nicht unbedingt – es ist unsere Realität. Und je früher wir lernen, damit umzugehen, desto besser. Genau deshalb glaube ich nicht mehr an das Konzept der klassischen „Work-Life-Balance“ (mehr dazu ein anderes Mal). Meine Antwort: Wenn Arbeit 24/7 präsent ist, dann darf auch mein Wohlbefinden 24/7 präsent sein. Ich kann nur dann performen, wenn es mir gut geht.
Früher habe ich mich für 50 gelernte Seiten mit etwas Schönem belohnt. Heute baue ich bewusst Dinge, die mir guttun, mitten in meinen Arbeitsalltag ein. Ich nehme mir Auszeiten, wann ich sie brauche: gehe mittags ins Grüne, arbeite zwischendurch aus einem Coffee Shop, teste neue Sportkurse oder höre meine Lieblingsmusik. Ich setze Grenzen, wo sie mir guttun, und verbinde mein Leben mit meiner Arbeit – anstatt es davor oder danach zu pressen.
Und was sagt meine Office-Siren-Oma dazu? Ganz einfach: „Mach, was dir guttut.“ Und recht hat sie. Wenn wir schon keinen 9-to-5 haben, dann müssen wir Wege finden, mit dem Infinite Workday umzugehen. Vielleicht nehme ich dich dazu auch auf Social Media mit.
Wie denkst du über den Infinite Workday? Teile deine Gedanken gerne mit mir beim nächsten Paragraphinnen-Event.
P.S. Diese Kolumne ist übrigens über eine Woche hinweg in freien Minuten entstanden – ein echtes Infinite-Workday-Projekt.
Hast du gewusst, dass 40 % der White-Collar-Arbeiter:innen schon um 6 Uhr morgens ihre ersten E-Mails schreiben und 30 % auch nach 22 Uhr noch Mails checken?
Dora ist die Gründerin der Paragraphinnen und prägt mit ihrer Arbeit Formate wie Events, Podcasts und Mentoring-Programme. Wenn sie nicht gerade neue Impulse für die Paragraphinnen setzt, ist sie als Head of Business Development bei DORDA Rechtsanwälte tätig. Dora hat Jus an der Universität Wien studiert. Sie wurde mit dem Justitia Award ausgezeichnet und zählt zu den 35 unter 35 Frauen des Brigitte-Bierlein-Frauenpreises.
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