Gemeinsam statt allein: Frauennetzwerke bieten Juristinnen Raum für Austausch, Inspiration und gegenseitige Unterstützung. Dr. Alexandra Mensorff-Pouilly, Partnerin bei SAXINGER erzählt, wie solche Netzwerke Karrieren prägen können.
1. Welche Bedeutung haben Frauennetzwerke deiner Erfahrung nach speziell in der Rechtsbranche?
Ich war bereits in meiner Studienzeit in Frauennetzwerken aktiv und weiß daher aus eigener Erfahrung, dass sie im beruflichen Werdegang einer Juristin eine große Rolle spielen können. Ich erinnere mich zB an den club alpha, eines der ersten überparteilichen Frauennetzwerke in Wien, initiiert von der ÖVP-Politikerin Maria Rauch-Kallat, das sich zum Ziel setzte, den Austausch erfolgreicher Frauen zu fördern. Ich habe damals an Veranstaltungen und am Mentorenprogramm vom club alpha teilgenommen und meine ersten Kontakte geknüpft.
Später dann, als ich schon meine Spezialisierung im Vergaberecht gefunden habe, war ich Mitglied in einem Vergabenetzwerk für Frauen (FrauenNetworkVergaberecht). Die Kontakte, die ich dort schließen konnte, pflege ich zT bis heute und empfinde sie als bereichernd und wichtig für meine Karriere, aber auch persönlich.
2. Wie können Frauennetzwerke dazu beitragen, strukturelle Hürden für Frauen in juristischen Berufen abzubauen?
Ich glaube hier geht es in erster Linie um gegenseitige Bestärkung. Wir Frauen tendieren ja eher dazu, unser Licht unter einen Scheffel zu stellen und uns selbst nicht so viel zuzutrauen. Das ist eine große Hürde, die man überwinden muss. Der Austausch unter Frauen in einem gesicherten Rahmen kann einem helfen, sich am Vorbild anderer zu motivieren und zu inspirieren und an sich selbst zu glauben.
Eine Freundin aus dem oben erwähnten Netzwerk war in der Rechtsabteilung eines Baukonzerns tätig und erzählte zB von ihren Erfahrungen als Frau bei der Schulung von lauter Technikern. Eine andere hat in der Vergaberechtsabteilung eines Staatsunternehmens gearbeitet, wo sie nach ihrer Karenz erfolgreich wieder einsteigen konnte. Wieder eine andere ist aus der Privatwirtschaft zurück in die Anwaltei gewechselt und erzählte, wie sehr es ihr hilft, die „andere Seite“ zu kennen. Es gab alles. Das war wirklich sehr bereichernd.
Strukturelle Hürden, die immer noch bestehen, können meiner Meinung nach nur durch ein neues Mindset überwunden werden. Jede einzelne Frau kann an ihrem Platz dazu beitragen, dass hier ein Wandel geschieht. Es braucht den „Genius des Weiblichen“, davon müssen wir uns erstmal selbst überzeugen. Wir Frauen können eine Kultur aufbauen, die Vernunft und Gefühl verbindet, wir können wirtschaftliche und politische Strukturen errichten, die mehr Menschlichkeit aufweisen.
3. Welche Rolle spielen Mentoring und gegenseitige Unterstützung innerhalb solcher Netzwerke?
Manche Netzwerke haben ein eigenes Mentoring-Programm, das kann v.a. für junge aufstrebende Juristinnen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, sehr hilfreich sein. Das Gelingen hängt natürlich auch sehr von einem guten Zusammenspiel von Mentorin und Mentee ab.
Ich bin eher eine Befürworterin von Peer-Netzwerken, in denen die Mitglieder auf Augenhöhe sind. Man leistet sich Unterstützung, indem man sich offen und vertrauensvoll austauschen kann. Das Um und Auf ist eine sichere Vertrauensbasis, die nicht verletzt werden darf.
4. Haben Frauennetzwerke auch einen konkreten Einfluss auf Karrierechancen und Sichtbarkeit von Jurist:innen? Wenn ja, wie?
Ich halte sehr viel von persönlichen Kontakten. Die Social Media Plattformen haben ihre Daseinsberechtigung, aber ein direkter Kontakt und gemeinsame Erlebnisse, Diskussionen, Feiern oder Veranstaltungen stellen eine persönliche Verbindung her, die viel mehr Wert ist. Darauf lassen sich dann langfristig Geschäftsbeziehungen aufbauen.
Nicht zu unterschätzen ist auch, dass viele Frauen (und Männer natürlich auch), es erst lernen müssen, zu „netzwerken“. Dafür muss man sich trauen, fremde Leute anzusprechen, auf jemanden zuzugehen, der vielleicht alleine steht, man muss lernen, Gespräche mit fremden Personen zu führen, ein guter Small Talk ist eine Kunst! Das zu können hat einen großen Einfluss auf die Karrierechancen.
5. Welche Verantwortung tragen Kanzleien wie Saxinger dabei, Frauennetzwerke aktiv zu fördern?
Als Großkanzlei kann man in der Hinsicht natürlich viel machen und wir sind auch sehr aktiv, weil es uns wichtig ist. Saxinger arbeitet beispielsweise mit den Paragraphinnen und Women in Law zusammen.
Als ich im März 2025 bei SAXINGER anfing, wurde ich in das kanzleiinterne Frauennetzwerk namens FRIEDA aufgenommen. Dadurch habe ich von Anfang an einen persönlichen Kontakt zu allen meinen Anwaltskolleginnen in ganz Österreich gehabt und das hat mir den Einstieg enorm erleichtert.
FRIEDA steht für F-airness, R-espect, I-nclusion, E-quality, D-iversity, A-nti Harassment & Discrimination. Wir behandeln sämtliche Themen im Bereich Women Empowerment und Gender Equality, aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So nach dem Motto, man muss bei sich selbst anfangen, wenn man etwas verändern will.
6. Was sind aus deiner Sicht die größten Erfolgsfaktoren für ein nachhaltiges und wirksames Frauennetzwerk?
Der Mix aus verschiedenen Fachrichtungen oder Interessensgruppen; es dürfen nicht zu viele von einer Sparte kommen.
7. Wie können auch Männer zur Stärkung von Frauennetzwerken beitragen?
Ich habe es ab und zu erlebt, dass Männer bei einer Veranstaltung eines Frauennetzwerkes vortragen oder eine Führung machen. Auch im Hintergrund können sie beitragen und zB ihre Partnerinnen motivieren, an einem Frauennetzwerk teilzunehmen. Sie können die Arbeit der Frauennetzwerke wertschätzen und dadurch fördern.
8. Welchen Rat würdest du jungen Jurist:innen geben, die noch zögern, sich aktiv in Netzwerken zu engagieren?
Wagt es! Investiert die Zeit! Lernt euch in einer „Gesellschaft“ zu bewegen, fremde Leute anzusprechen, Konversation zu führen, Kontakte auszutauschen. Man muss sich trauen, aus seiner eigenen „immer schon Freunderlgruppe“ herauszutreten. Networken muss gelernt sein, man darf es ruhig strategisch angehen.
Dr. Alexandra Mensdorff-Pouilly ist seit März 2025 als Partnerin bei SAXINGER tätig.
Zuvor war sie viele Jahre als Rechtsanwältin in renommierten Wirtschaftskanzleien tätig, wo sie umfassende Erfahrung im öffentlichen Recht und Vergaberecht sammelte. Ihre berufliche Laufbahn begann sie als Rechtsanwaltsanwärterin in einer auf Vergaberecht spezialisierten Kanzlei.
Vor ihrem Wechsel in die Anwaltschaft war Dr. Mensdorff-Pouilly zudem in der Steuerberatung tätig und konnte wertvolle Einblicke in wirtschaftliche und steuerliche Zusammenhänge gewinnen.
Ihr Studium der Rechtswissenschaften absolvierte sie von 1995 bis 1999 an der Universität Wien, wo sie im Anschluss auch ihr Doktoratsstudium erfolgreich abschloss.
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