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Weltfrauentag oder jährlich grüßt das Murmeltier?

Bald ist März und spätestens jetzt werden wir wieder intensiver mit dem Thema Frauenförderung konfrontiert. Round Tables, Workshops, Panel Diskussionen, Kampagnen. Große Worte, ambitionierte Versprechen, professionelle Social Media Postings. Rund um den Weltfrauentag scheint das Thema für einen kurzen Moment im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.

Ich habe eine ausgeprägte Liebe Hass Beziehung zu diesem Tag.

Einerseits habe ich im März 2021 die Paragraphinnen gegründet. Dieser Monat markiert für mich persönlich einen Wendepunkt. Andererseits beobachte ich Jahr für Jahr das kommunikative Crescendo rund um den Weltfrauentag und frage mich, welche Botschaft wir tatsächlich senden. Mit einem gewissen Schmunzeln und nicht ohne Skepsis sehe ich die Postings in der Woche davor: „Danke an unsere großartigen Frauen.“ Wertschätzung ist wichtig. Aber reicht sie?

Seit fünf Jahren arbeite ich mit dem Paragraphinnen Team im Zentrum der Frauenförderung in Österreich. Gerade deshalb möchte ich den Weltfrauentag nutzen, um einige unbequeme Fragen in den Raum zu stellen.

Trendthema Frauenförderung war gestern?

Vor einigen Jahren war Frauenförderung ein dominierendes Thema. Es gab Ressourcen, mediale Aufmerksamkeit, strategische Commitments. Unternehmen und Institutionen positionierten sich sichtbar.

Heute hat sich die Prioritätenliste verschoben. Künstliche Intelligenz, geopolitische Unsicherheiten, zuvor ESG. Neue Themen beanspruchen Budgets und Management Aufmerksamkeit. Frauenförderung wirkt mitunter wie abgearbeitet. Als wären die notwendigen Schritte bereits gesetzt.

Doch Gleichstellung ist kein Projekt mit Enddatum. Sie ist ein struktureller Transformationsprozess.

Themenzyklen sind real, Ressourcen sind begrenzt. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass Frauenförderung in den Modus der Selbstverständlichkeit rutscht. Sie ist es nicht. Ein Aktionstag im Kalender ersetzt keine kontinuierliche ernstgemeinte Arbeit.
Immer häufiger höre ich von jüngeren Kolleginnen und Kollegen, dass Investitionen in Frauenförderung ohnehin Standard seien. Man habe aktuell andere Prioritäten, aber wenn einmal Zeit ist, engagiere man sich gerne.
Hier liegt ein Denkfehler.

Wenn wir Zeit haben, ist es womöglich zu spät. Jedes Fernbleiben, jedes Schweigen, jedes Nicht Kommentieren sendet ein Signal. Es signalisiert, dass Ressourcen vielleicht doch sinnvoller in andere Zukunftsthemen investiert werden sollten. In KI. In ESG. In das nächste strategische Buzzword.

Solange Führungspositionen nicht annähernd paritätisch besetzt sind, können wir uns ernsthaft leisten zu behaupten, das Thema habe seine Dringlichkeit verloren?


Frauenförderung wird vom Mittelbau getragen und das ist anspruchsvoll

Frauenförderung ist nicht selbstverständlich. Und sie ist nicht einfach. Sie erfordert Überzeugungsarbeit, intern wie extern. Und diese Arbeit wird häufig im sogenannten Mittelbau geleistet.

Gerade in der juristischen Branche sind Strukturen traditionell hierarchisch geprägt. Strategische Entscheidungen werden meist auf oberster Ebene getroffen. Wer dorthin will, muss bestehende Spielregeln beherrschen und zugleich erkennen, dass genau diese Regeln nicht immer zukunftsfähig sind.

Das führt zu einem Spannungsfeld. Kolleginnen und Kollegen in Junior Leadership Positionen sollen Systeme stabilisieren und gleichzeitig verändern. Sie moderieren, vermitteln, argumentieren. Sie federn Widerstände ab und treiben Transformation voran. Das ist eine anspruchsvolle Rolle. Diese Personen verdienen mehr als symbolische Anerkennung. Sie brauchen Rückhalt. Sichtbare Unterstützung. Und ja, auch persönliche Wertschätzung. Nicht nur öffentlichkeitswirksame Danksagungen, sondern ehrliches Feedback im direkten Gespräch.

Denn sie werden jene sein, die künftig Entscheidungspositionen übernehmen und damit die Möglichkeit haben, strukturelle Weichen nachhaltig anders zu stellen.


Pink Washing ist real und erkennbar

Ein kurzer begrifflicher Exkurs. Der Terminus Pink Washing wurde Mitte der 2000er Jahre im Kontext der LGBTQIA+ Bewegung geprägt. Die Friedrich Ebert Stiftung definiert Pink Washing als „Marketingstrategie von Personen, Organisationen oder Staaten, die sich als besonders modern, fortschrittlich oder aufgeklärt inszenieren, ohne substanzielle strukturelle Veränderungen umzusetzen.“

Übertragen auf die Frauenförderung bedeutet das Sichtbarkeit ohne Substanz.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen und nachzufragen:

Wie wird Frauenförderung konkret gelebt?
Welche Programme existieren und mit welcher Verbindlichkeit?
Gibt es messbare Zielsetzungen?
Wie werden Führungspositionen besetzt?
Wie wird Budget allokiert?

Marketing Sprache wird es immer geben. Entscheidend ist, ob hinter ihr strukturelle Maßnahmen stehen. Oft zeigt sich in vertiefenden Gesprächen schnell, wie belastbar ein Engagement tatsächlich ist.

Und ja, auch die Paragraphinnen sehen sich gelegentlich mit dem Vorwurf des Pink Washings konfrontiert. „Man zahlt einfach, um dabei zu sein“, höre ich mitunter. Richtig ist: Unsere Programme sind kostenpflichtig. Nicht als Symbolhandlung, sondern weil Organisation, Netzwerkpflege, inhaltliche Qualitätssicherung und kontinuierliche Arbeit Ressourcen erfordern. Wer mit unseren Partnern spricht und ihre aktive inhaltliche Beteiligung erlebt, erkennt rasch, dass es sich nicht um eine reine Imageinvestition handelt, sondern um echte Mitgestaltung.

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Bald werden wir wieder zahlreiche Bekenntnisse zum Weltfrauentag lesen und hören.

Die entscheidendere Frage ist: Was bleibt davon im April? Und im Juni? Und im nächsten Budgetgespräch?

Ich bin gespannt, was wir heuer sehen werden. Und vielleicht noch gespannter darauf, worüber wir im Mai nicht mehr sprechen.

Frauenförderung ist kein Hackerl auf einer Checkliste. Frauenförderung ist keine Marketing-Aktivität am Weltfrauentag. Frauenförderung ist keine Selbstverständlichkeit. Ernstgemeinte Frauenförderung ist eine Investition in die Zukunft.

Erzähl mir, wie du das siehst, beim nächsten Paragraphinnen Event.

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Dora

Dora Bertrandt

Dora ist die Gründerin der Paragraphinnen und prägt mit ihrer Arbeit Formate wie Events, Podcasts und Mentoring-Programme. Wenn sie nicht gerade neue Impulse für die Paragraphinnen setzt, ist sie als Head of Business Development bei DORDA Rechtsanwälte tätig. Dora hat Jus an der Universität Wien studiert. Sie wurde mit dem Justitia Award ausgezeichnet und zählt zu den 35 unter 35 Frauen des Brigitte-Bierlein-Frauenpreises.