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Die Juristin im Nicht-Juristen Freundeskreis

Lustige Anekdoten wie man die Welt als Juristin sieht

Jede Juristin kennt die Herausforderungen, denen man begegnet, wenn man mit Freunden zusammen ist, die eben keine Juristen sind. Dieser Blogbeitrag soll (auf nicht ganz ernste Weise) einen Einblick in typische Alltagssituationen einer Juristin im Nicht-Juristen Umfeld geben.

Juristinnen sind ein eigenes Schlagwerk. Wir lernen im Studium das ABGB wie eine Bibel zu zitieren, beim StGB reflexartig Paragraphen hochzusagen und im Zweifel immer erst zu prüfen, ob die Norm dispositiv oder zwingend ist. Klingt trocken – bis man mit Nicht-Juristinnen befreundet ist. Dann wird`s wirklich lustig.

 

„Kommt drauf an…“

Der Satz, den man im Studium in der ersten Vorlesung lernt und den ich vermutlich am häufigsten sage: „Es kommt darauf an“. Egal ob es ums Parken in zweiter Spur geht, um das Teilen von Netflix-Passwörtern oder um das Schneiden der Hecke, weil sich die Nachbarin beschwert – meine Antwort ist nie ein klares Ja oder Nein. Meine Freundinnen hätten gerne einfache Wahrheiten – bekommen aber meist ein kleines Gutachten serviert. Und auch wenn es schmerzt, es gibt leider nie die einfache Antwort Ja oder Nein. Die Kunst besteht dann darin, den Sachverhalt für Nicht-Juristinnen aufzubereiten und in einfachen Worten und möglichst kurz zu erklären. Funktioniert nur leider halt nicht immer.

 

Typische Juristinnen-Stereotypen im Alltag

Im Freundeskreis fallen mir selbst manchmal meine eigenen Klischees auf:

  • Alles wird analysiert. Egal wo man ist oder was man macht, man malt sich immer alle möglichen Szenarien und Ausgänge aus, inklusive der rechtlichen Lösungsmöglichkeiten.
  • Wenn jemand etwas erzählt, sieht man das aus der rechtlichen Perspektive. Manchmal muss ich mir dann auf die Zunge beißen, damit ich nicht eine Lektion starte, warum man das nicht oder eher anders machen sollte. Manchmal passiert es aber auch, dass ich geschockt „das darf er aber sicher so nicht“ schreie.
  • Man liest AGBs wirklich. Auch wenn`s nur beim Pizza-Lieferservice ist.
  • Man sammelt Beweise. Ein Screenshot hier, ein Foto dort – „für alle Fälle“.
  • Man liebt Kaffee. Denn ganz ehrlich, ohne einen Kaffee morgens bin ich nicht funktionstüchtig.
  • Man beharrt auf seinem Standpunkt. Wer würde auch nachgeben, wenn er genau weiß, dass er im Recht ist?

 

Meine Freundinnen betrachten diese Verhaltensweisen von mir meistens mit einem kleinen Lächeln und ich kann sie schon durchaus verstehen, dass das etwas eigen und exzentrisch wirkt. Aber am Ende des Tages tut das keinem weh.

 

Strafrecht light – die ewige Frage: „Darf ich das?“

Diese Frage ist das unausgesprochene Intro zu mindestens jeder zweiten Frage, die ich gestellt bekomme. Meist mit der Zusatzfrage, welche Strafe man dafür bekommen würde. Oft wollen meine Freundinnen wissen, ob man für etwas ins Gefängnis muss. Meine Antwort lautet meistens, dass man eher eine Verwaltungsstrafe bekommt. Ich hoffe nur, dass sie dann nicht abwägen, ob sich die Tat lohnt oder nicht, denn ich möchte sie nicht eines Tages im Gefängnis besuchen müssen.

 

Fazit:

Die Juristin im Nicht-Juristen-Freundeskreis zu sein bedeutet, dass man ständig gefragt wird, ob man dieses oder jenes darf. Ich erkläre dann viel zu genau, werfe mit Fachbegriffen um mich und merke nach zwei Minuten selbst, dass mein Gegenüber schon längst gedanklich ausgestiegen ist und nicht mehr zuhört. Und auch wenn meine Freundinnen manchmal die Augen verdrehen: Am Ende sind sie froh, dass jemand weiß, wann es wirklich ernst wird und den man in Sorgensituationen fragen kann, und ich bin froh, dass ich ihnen meistens trotzdem etwas weiterhelfen kann.

Sarah Brandstetter

Sarah Brandstetter ist Konzipientin in einer Linzer Rechtsanwaltskanzlei und hat an der Johannes Kepler Universität studiert. Seit 2025 ist sie Mitglied des Linzer Paragraphinnen Teams und unterstützt das Redaktions-Team.