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Der Weg ins Notariat: Einblicke in den Berufsalltag einer Notariatskandidatin

Über die Anforderungen, die Vielfalt und die besonderen Momente im Notariat.

1. Was hat dich dazu bewogen, den Ausbildungsweg zur Notariatskandidatin einzuschlagen?

Während meines Studiums habe ich mir bewusst viele verschiedene juristische Tätigkeitsbereiche in der Praxis angesehen. Dadurch konnte ich gut herausfinden, was mir wirklich liegt und auch, was eher weniger zu mir passt.

Am Ende habe ich mich ganz bewusst für die notarielle Laufbahn entschieden, weil ich mich dort einfach am wohlsten gefühlt habe. Es hat sich für mich schnell gezeigt, dass genau diese Mischung aus Struktur, Verantwortung und direktem Mandantenkontakt gut zu mir passt, oder vielleicht umgekehrt ich gut in dieses Umfeld.

Besonders überzeugt hat mich die Vielfalt der Aufgaben und die Art, wie im Notariat gearbeitet wird: lösungsorientiert, präzise und gleichzeitig sehr nah an den Menschen.

 2. Wie hast du den Einstieg in den notariellen Berufsalltag erlebt?

Der Einstieg war für mich ehrlich gesagt ein Sprung ins kalte Wasser, weil man sich nicht nur in den unterschiedlichsten Rechtsgebieten bewegt, sondern auch mit dem Berufsrecht und Standesvorschriften sehr genau auskennen muss. Man findet aber schnell hinein. Mit der Zeit entwickelt man ein Verständnis für die Abläufe und gewinnt zunehmend Sicherheit.

Besonders bereichernd dabei ist der wöchentliche Prüfungskurs, bei dem uns hauptsächlich Standesmitglieder, aber auch Anwältinnen oder Richterinnen die unterschiedlichen Rechtsgebiete vortragen und mit uns konkret Probleme aus der Praxis besprechen. Dabei lernt man die ungeprüften Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Notariaten kennen. Man sieht sich über insgesamt fünf Semester Prüfungskurs fast jede Woche und lernt sogar teilweise gemeinsam für die Prüfungen. Das verbindet sehr.

Sehr hilfreich war insgesamt auch der Austausch innerhalb des Kandidatenvereins. Dort wird man gut begleitet und bekommt eine Tutorin oder einen Tutor zur Seite gestellt, die bzw. der einen beim Einstieg unterstützt. Meine Tutorin hat mir persönlich sehr geholfen, gerade in der Anfangszeit Orientierung zu finden und Fragen im Alltag schnell klären zu können.

Ich bin mittlerweile seit etwa zwei Jahren in diesem Bereich tätig und merke, dass noch sehr viel Erfahrung und Lernen vor mir liegt. Genau das macht den Beruf aber auch spannend. Man entwickelt sich ständig weiter und wächst mit den Aufgaben.

3. Gab es dabei Aspekte, die dich besonders überrascht oder gefordert haben?

Besonders gefordert hat mich die Vielschichtigkeit der Tätigkeit und das damit verbundene ständige Umdenken. So unterschiedlich die Aufgabenbereiche im Notariat sind, so unterschiedlich sind auch die Herangehensweisen. Man bewegt sich dabei in verschiedenen Rollen, etwa als Urkundsperson, im übertragenen Tätigkeitsbereich des Gerichts oder auch als Parteienvertreter. Jede dieser Funktionen bringt eigene Schwerpunkte, Verantwortlichkeiten und auch klare Do’s und Don’ts mit sich, auf die man sich laufend einstellen muss.

Eine weitere große Herausforderung sind die Prüfungen. Viele treten diese schon nach rund 18 Monaten an, was angesichts der inhaltlichen Breite durchaus anspruchsvoll ist. Gefordert wird ein sehr fundiertes Wissen in zahlreichen Rechtsgebieten – vom notariellen Berufsrecht über Erbrecht und Verlassenschaftsverfahren bis hin zu Grundbuchsrecht, Strafrecht, Zivilverfahrensrecht oder auch Exekutions- und Außerstreitrecht.

Rückblickend bin ich aber sehr froh, diesen Lernprozess so früh durchlaufen zu haben. Er hat mir geholfen, ein deutlich besseres Verständnis für die unterschiedlichen Bereiche und ihre jeweiligen Besonderheiten zu entwickeln und gibt mir heute spürbar mehr Sicherheit in der täglichen Arbeit

4. Wie gestaltet sich dein Arbeitsalltag im Notariat und welche Aufgaben prägen ihn besonders?

Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich. Ich habe viel direkten Kontakt mit Mandanten, sowohl in persönlichen Terminen als auch am Telefon.

Parallel dazu betreue ich eine Vielzahl an Akten, die ich über längere Zeiträume begleite. Dabei ist es wichtig, den Überblick zu behalten. Das ist eine Fähigkeit, die man mit der Zeit entwickelt.

5. In welchen Situationen wird die besondere Verantwortung des Notariats für dich im Alltag besonders spürbar?

Die besondere Verantwortung im Notariat ist eigentlich ein ständiger Begleiter im Arbeitsalltag, vor allem in jenen Momenten, in denen Menschen sich in wichtigen oder sensiblen Lebenssituationen an uns wenden.

Das sind oft Situationen, die nicht nur rechtlich, sondern auch persönlich eine große Tragweite haben – etwa im Erbrecht oder bei größeren Vermögensentscheidungen. Viele Mandantinnen und Mandanten sind dabei juristische Laien und verlassen sich darauf, dass wir sie sicher und verständlich durch diese Prozesse führen.

Gerade dann wird einem bewusst, wie entscheidend es ist, komplexe Inhalte klar und präzise zu vermitteln, gleichzeitig aber auch ein Gespür für die jeweilige Situation mitzubringen. In oft vergleichsweise kurzen Gesprächen müssen viele Aspekte berücksichtigt, die richtigen Fragen gestellt und die wesentlichen Punkte erkannt werden.

Diese Kombination aus fachlicher Genauigkeit, Verantwortung und menschlichem Feingefühl macht für mich die besondere Rolle des Notariats im Alltag aus

6. Welche drei Eigenschaften sollte eine zukünftige Notariatskandidatin unbedingt mitbringen?

Geduld, Genauigkeit und Empathie sind aus meiner Sicht zentrale Eigenschaften für diesen Beruf. Viele Abläufe sind komplex und erfordern die Bereitschaft, sich intensiv mit Details auseinanderzusetzen und Schritt für Schritt ein gutes Verständnis zu entwickeln.

Gleichzeitig ist ein hohes Maß an Genauigkeit unerlässlich, da man mit sehr sensiblen rechtlichen Themen arbeitet, bei denen Präzision entscheidend ist. Ebenso wichtig ist Empathie – der Umgang mit Mandantinnen und Mandanten erfordert nicht nur fachliches Wissen, sondern auch die Fähigkeit, sich in unterschiedliche Lebenssituationen hineinzuversetzen und verständlich zu kommunizieren.

Ergänzend spielt auch Motivation eine wichtige Rolle. Die Ausbildung ist anspruchsvoll und verlangt Durchhaltevermögen – wer aber dranbleibt, wird mit einer sehr vielseitigen und spannenden Tätigkeit belohnt.

7. Gibt es Aspekte der notariellen Ausbildung, die man von außen oft unterschätzt?

Ja, definitiv. Von außen wirkt die Tätigkeit im Notariat oft sehr klar und schnell – in der Praxis steckt jedoch deutlich mehr dahinter, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Ein klassisches Beispiel dafür sind Unterschriftsbeglaubigungen. Für viele sieht es so aus, als würde man einfach zum Notar gehen, unterschreiben und eine Bestätigung erhalten. Tatsächlich sind damit aber eine Reihe an Prüfungen und rechtlichen Anforderungen verbunden, die im Hintergrund stattfinden. Man muss unter anderem die Identität zweifelsfrei feststellen, die Geschäftsfähigkeit beurteilen und sicherstellen, dass alle formalen und rechtlichen Voraussetzungen eingehalten werden. Diese Sorgfalt ist essenziell, weil jede Beglaubigung rechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

Gerade diese „unsichtbare“ Arbeit im Hintergrund, die täglich von den fleißigen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern getätigt wird, wird oft unterschätzt, sie macht aber einen wesentlichen Teil der Verantwortung und Qualität notarieller Tätigkeit aus. Auch hier wird sehr genaues arbeiten und ein generelles Verständnis für die Materie gefordert.

8. Welchen Rat würdest du Studentinnen oder jungen Juristinnen geben, die eine Ausbildung im Notariat in Erwägung ziehen?

Ich würde grundsätzlich allen Studierenden empfehlen, sich die Bereiche, die sie interessieren, möglichst früh auch in der Praxis anzusehen. Mir hat das sehr geholfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was mir wirklich liegt und in welche Richtung ich gehen möchte.

Dadurch ist mir die Entscheidung nach dem Abschluss deutlich leichter gefallen. Deshalb kann ich nur dazu ermutigen, diese Möglichkeiten aktiv zu nutzen und sich frühzeitig auszuprobieren.

Abschließend würde ich allen Studentinnen mitgeben: Dranbleiben lohnt sich. Die juristische Ausbildung ist fordernd, aber sie eröffnet gleichzeitig unglaublich viele Möglichkeiten. Gerade diese Bandbreite macht es möglich, einen Bereich zu finden, der wirklich zu den eigenen Stärken und Interessen passt.

Dabei ist es wichtig, sich nicht nur fachlich weiterzuentwickeln, sondern auch sich selbst gut kennenzulernen, denn langfristig ist man dort am erfolgreichsten und zufriedensten, wo die eigenen Fähigkeiten und die persönliche Neigung zusammenpassen.

Hilfreich auf diesem Weg sind auch Vorbilder oder Mentorinnen und Mentoren, die Orientierung geben und ihre Erfahrungen teilen. Die Paragraphinnen bieten daher tolle Möglichkeiten, die man meiner Meinung nach auch nutzen sollte.

Und nicht zuletzt: Vernetzung ist ein wichtiger Teil dieses Berufs. Ich freue mich immer über Austausch, wer Fragen hat oder sich für den notariellen Bereich interessiert, kann sich jederzeit gerne bei mir melden.

Die juristische Ausbildung ist fordernd, aber sie eröffnet gleichzeitig unglaublich viele Möglichkeiten. Gerade diese Bandbreite macht es möglich, einen Bereich zu finden, der wirklich zu den eigenen Stärken und Interessen passt.

Mag. Isabel Fischer

Mag. Isabel Fischer ist Notariatskandidatin in Wien.

Ihr Studium der Rechtswissenschaften absolvierte sie am Juridicum der Universität Wien. Bereits während ihres Studiums sammelte sie umfassende praktische Erfahrungen in mehreren Rechtsanwaltskanzleien sowie in einem Notariat.

Im Rahmen eines Erasmus-Aufenthalts studierte sie an der Sciences Po in Paris. Neben ihrem Studium engagierte sie sich aktiv bei ELSA, unter anderem als Vice President for Academic Activities, und nahm an internationalen Programmen und Veranstaltungen teil, darunter eine Law School in Kopenhagen, ein Study Visit in Tel Aviv sowie eine juristische Competition in Paris.