AT DE

Bewerbungsfragen, auf die du 2026 eine Antwort haben solltest

Wer kennt sie nicht: die Klassiker aller Fragen im Bewerbungsgespräch. Doch Kanzleien und Unternehmen wissen: Zeiten ändern sich und mit ihnen die Fragen im Bewerbungsgespräch.

Wer kennt sie nicht: die Klassiker aller Fragen im Bewerbungsgespräch. „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ oder „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“. Fragen, die so oft gestellt wurden, dass man sie im Schlaf beantworten könnte. Doch Kanzleien und Unternehmen wissen: Zeiten ändern sich und mit ihnen die Fragen im Bewerbungsgespräch. Arbeitgeberinnen von heute suchen Juristinnen, die Fachwissen mit Zukunftskompetenz verbinden: digital affin, anpassungsfähig und bereit, die Balance zwischen Tradition und Innovation zu meistern. Moderne Fragen von heute prüfen nicht nur euer Fachwissen, sondern auch digitale Skills, Kreativität und Persönlichkeit. 

 

Neue Fragen – Neue Chancen

Bewerbungsgespräche sind kein Hindernis, sondern bieten dir die Chance, aus der Masse herauszustechen und dich als digital interessiert, lernbereit, authentisch und souverän zu präsentieren. Denn genau das macht dich für moderne Kanzleien und Unternehmen interessant. Auf folgende vier Fragen solltest du daher vorbereitet sein:

1. „Mit welchen juristischen KI-Tools haben Sie bereits gearbeitet?“

Diese Frage überrascht viele, dabei ist sie zunehmend relevant. Immer mehr Arbeitgeberinnen möchten wissen, wie vertraut Bewerberinnen mit digitalen Arbeitsmethoden sind, vor allem im Bereich Legal Technology und Künstliche Intelligenz. Dabei geht es nicht darum, bereits umfassende Kenntnisse sämtlicher Programme zu haben. Entscheidend ist, offen für neue Technologien zu sein, um sich in der digitalen Arbeitswelt zurechtfinden zu können.

Informiere dich vor deinem Bewerbungsgespräch über die derzeit bekanntesten juristischen KI-Tools wie Lexis+ AI und MANZ Genjus. Solltest du bereits eigene Erfahrungen mit diesen Tools gesammelt haben – erwähne das ruhig. So zeigst du, dass du bereit bist, dich mit neuen Entwicklungen aktiv auseinanderzusetzen.

 

2. „Welche Chancen und Risiken sehen Sie bei der Digitalisierung des Rechts?“

Mit dieser Frage möchten Arbeitgeberinnen herausfinden, ob du aktuelle Entwicklungen nicht nur beobachtest, sondern auch einordnen kannst. Denn klar ist: Die Digitalisierung macht auch vor dem Recht nicht halt – ob durch Legal-Tech-Anwendungen, automatisierte Vertragsprüfung oder den Einsatz von KI in der Justiz. Dabei kommt es darauf an, Chancen wie Effizienz, Zugang zum Recht und moderne Arbeitsmethoden zu erkennen, aber auch Risiken wie Datenschutz oder Fehlentscheidungen nicht auszublenden. 

 

3. „Wie gehen Sie mit Stress um, wenn die Deadline gestern war?“

Klingt nach Stress und genau darum geht’s. In juristischen Jobs sind kurze Fristen keine Ausnahme, sondern Alltag. Mit dieser Frage wollen Arbeitgeber herausfinden, wie du unter Druck funktionierst: Bleibst du ruhig? Setzt du Prioritäten? Kommunizierst du rechtzeitig, wenn es eng wird? Hier hilft Authentizität. Wichtig ist dabei nicht die perfekte Antwort, sondern eine ehrliche Einschätzung deiner Arbeitsweise.

 

4. „Gibt es einen aktuellen Fall aus den Medien, der Sie besonders beschäftigt?“

Diese Frage zielt darauf ab, ob du über den Tellerrand des Studiums hinausblickst und ob du dich mit aktuellen rechtlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzt. Es geht weniger um juristische Tiefe als um echtes Interesse. Ziel ist es, ein Bewusstsein für aktuelle juristische Themen und Entscheidungen zu zeigen.

 

Flexibel, reflektiert, vorbereitet – dein Schlüssel zum Erfolg

Bewerbungsgespräche entwickeln sich weiter. Sie stellen heute nicht mehr nur dein juristisches Wissen auf die Probe, sondern auch deine Fähigkeit, dich auf neue Themen und unerwartete Fragen einzustellen. Wenn du dich mit den modernen Anforderungen auseinandersetzt und auf solche Fragen vorbereitet bist, gehst du mit einem klaren Vorteil ins Gespräch. Das zeigt, dass du nicht nur fachlich kompetent, sondern auch flexibel, reflektiert und bereit bist, dich den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt zu stellen. So bist du bestens gerüstet – für das Bewerbungsgespräch und den erfolgreichen Start in deine juristische Karriere.

 

Am Ende gilt: Bewerbungsgespräche sind kein Verhör, sondern ein Dialog. Sie bieten dir die Möglichkeit, nicht nur Fragen zu beantworten, sondern auch deine Neugier, deine Haltung und deine Zukunftsvision einzubringen. Wer Fachwissen mit Offenheit für digitale Entwicklungen verbindet und gleichzeitig Persönlichkeit zeigt, hat die besten Karten. Nutze also deine Chance – und mach dein Bewerbungsgespräch zum Beginn einer spannenden nächsten Etappe.

Theresa Aichinger

Theresa Aichinger ist Juristin in Oberösterreich und hat an der Johannes Kepler Universität studiert. Sie ist seit 2025 Teil des Linzer Teams der Paragraphinnen und unterstützt das Karriere-Team.