Der Einstieg in den Anwaltsberuf ist spannend – aber auch herausfordernd. Zwischen Gerichtssaal, Mandantengesprächen und Kanzleialltag gilt es, schnell den Überblick zu behalten und Routine zu entwickeln. Wer die typischen Stolpersteine kennt, kann viele Anfangsfehler vermeiden.
Der Einstieg ins Berufsleben als Rechtsanwaltsanwärterin ist aufregend – aber auch gleichzeitig ziemlich herausfordernd. Plötzlich ist man mit dem Studium fertig und sitzt nicht mehr in Vorlesungen oder in der Bibliothek, sondern findet sich in Verhandlungen, Besprechungen und Gerichtssälen wieder. Alles ist neu, alles scheint wichtig – und man möchte natürlich von Anfang an alles „richtig“ machen. Man setzt sich selber unter Druck, möchte kompetent wirken, jede Frage beantworten können und Fehler vermeiden. Doch die Realität sieht anders aus: Gerade anfangs kommt es häufig zu Unsicherheiten, kleinen Missverständnissen oder organisatorischen Hürden.
Die gute Nachricht: Viele dieser Anfängerfehler lassen sich vermeiden, wenn man die typischen Herausforderungen kennt und weiß, worauf es im Kanzleialltag wirklich ankommt. Denn: Mit etwas Vorbereitung lässt sich der Berufseinstieg deutlich angenehmer gestalten und die ein oder andere Frustration vermeiden.
Im Folgenden werden fünf Tipps vorgestellt, um klassische Anfängerfehler zu vermeiden, damit ein souveräner Start in die Berufswelt gelingt:
Die Assistentinnen, die oft schon viele Jahre in der Kanzlei tätig sind, sind die echten Heldinnen im Kanzleialltag: Gerade wenn die Kanzlei Mandate laufend betreut, ist Erfahrung unbezahlbar. Die Assistentinnen haben ein Elefantengedächtnis. Sie können dir wertvolle Hintergrundinformation liefern: über die Gewohnheiten langjähriger Mandanten, ähnliche Verfahren oder Vorgeschichten mancher Causen. Sie haben nicht nur Fristen im Blick und kennen sämtliche Abläufe und Formvorschriften in- und auswendig, sondern wissen auch über die „ungeschriebenen Regeln“ der Kanzlei bestens Bescheid. Sie wissen, wie theoretisches Wissen technisch umgesetzt wird – wie man einen Antrag im Grundbuch, Firmenbuch oder nach der Exekutionsordnung einbringt etc. Last but not least können sie dir eine große emotionale Stütze sein. Ohne sie geht schlichtweg nichts. Trotzdem machen manche junge RAA den Fehler, deren Rolle zu unterschätzen und sie nur als „Unterstützung im Hintergrund“ zu sehen. Dabei lohnt es sich, aktiv nachzufragen und die Tipps der Assistentinnen anzunehmen. Wer ihre Erfahrung einbezieht und ihnen mit Respekt begegnet, arbeitet nicht nur effizienter, sondern spart sich auch Zeit und Nerven.
Die erste Gerichtsverhandlung, die erste Videokonferenz, das erste Erstgespräch alleine mit einem Mandanten: Viele Berufseinsteiger:innen haben dabei das Gefühl, alle anderen seien souverän und wüssten genau über alles Bescheid. Viele junge RAA neigen jedoch dazu, sich von der Erfahrung und Gelassenheit älterer Kolleg:innen einschüchtern zu lassen oder glauben, jede Frage sofort beantworten zu müssen. Doch Wissen und Routine entstehen erst mit der Zeit und dazu gehört insbesondere die Erkenntnis, dass man nicht alles wissen muss, sondern es oft reicht, die richtigen Fragen zu stellen. Um die eigene Unsicherheit und Nervosität etwas abzufedern kann es hilfreich sein, sich auf verschiedene Eventualitäten vorzubereiten und sich auf diese Weise mehr Sicherheit zu verschaffen. Sollte dennoch einmal etwas Unvorhergesehenes passieren, ist Gelassenheit oft die beste Strategie – denn niemand erwartet Perfektion von einem/r Berufsanfänger:in, sondern vielmehr einen professionellen Umgang mit Herausforderungen und den Willen, etwas zu lernen.
Zu lernen, die richtigen Prioritäten zu setzen, ist für zukünftige RA enorm wichtig und gleichzeitig eine der größten Herausforderungen des Kanzleialltags. Gerade am Anfang stürzt alles gleichzeitig auf einen ein: Aktenberge, Fristen, Telefonate, Besprechungen. Hier gilt es, sich schnell ein System zurechtzulegen, um nicht im Chaos zu versinken. Die Versuchung ist groß, jede Aufgabe mit gleicher Intensität anzugehen – doch gerade ein durchdachtes Zeitmanagement kann spielentscheidend sein. Während Fristen und Gerichtstermine absoluten Vorrang haben, lassen sich andere Tätigkeiten gut planen. Viele RAA tappen in die Falle, sich in Details zu verlieren und dabei den Blick fürs Wesentliche zu verlieren. Hilfreich ist es, keine Angst davor zu haben frühzeitig nachzufragen, ob eine Aufgabe dringend ist. So kann man selbst ein Gefühl entwickeln, was Priorität hat. Wer lernt, strukturiert vorzugehen und zu priorisieren behält den Überblick und arbeitet stressfreier. Ein Wochengespräch, bei dem regelmäßig mit der Ausbildungsanwältin bzw dem Ausbildungsanwalt die aktuellen To-Do´s und Fristen besprochen werden, schafft vor allem zu Beginn Klarheit hinsichtlich der Priorisierung. Informiere dich auch früh genug, ob es kanzleiinterne Vorgaben zur Rückmeldekultur bei Mandant:innen gibt.
Trotz einer entsprechenden Prioritätensetzung spielt Genauigkeit in der juristischen Arbeit eine zentrale Rolle – sei es bei Fristen, Schriftsätzen oder Aktennotizen zur Dokumentation. Gerade am Anfang können sich in der Eile kleine Fehler einschleichen, die später aber fatale Auswirkungen haben können. Viele RAA unterschätzen anfangs die Notwendigkeit, auch scheinbar „unwichtige“
Details sorgfältig zu prüfen und sich Zeit für eine Kontrolle zu nehmen. Hilfreich ist es in diesem Zusammenhang, Routinen (z.B. Wiedervorlagen, Vieraugen-Prinzip, Crosschecks durch Kolleg:innen usw.) zu entwickeln, konzentriert zu arbeiten und im Zweifel auch Rückfragen zu stellen, wenn man sich unsicher ist oder einem etwas „komisch“ vorkommt. Wer dies von Beginn an verinnerlicht, vermeidet nicht nur unnötige Korrekturen, sondern gewinnt auch das Vertrauen der RA und Mandanten.
Ein wertvoller Tipp ist ein gründliches Lektorat: am Ende eines Schriftsatzes oder einer E-Mail sollte der Text noch einmal gründlich auf Rechtschreib- und Tippfehler, aber auch auf Struktur und Verständlichkeit (der bekannte „rote Faden“) durchgelesen werden. Gerade nach langer Arbeit können sich Flüchtigkeitsfehler oder unklare Formulierungen einschleichen, die später auffallen und zusätzlichen Aufwand verursachen können. Viele Berufsanfänger:innen neigen dazu, unter Zeitdruck das Durchlesen zu überspringen. Auch kostet es Überwindung, einen Text, den man einfach nicht mehr sehen kann, weil man vielleicht schon viele Tage darüber gebrütet hat, noch einmal zu lesen, wenn er endlich fertig ist. Wer sich jedoch die paar Minuten nimmt umden Text Korrektur zu lesen, erkennt nicht nur Tippfehler, sondern vermeidet peinliche Fehler, die nicht selten auch ernste Konsequenzen haben können. Aus diesem Grund sollte man sich auch früh angewöhnen, sämtliche Anhänge einer E-Mail nochmals zu öffnen und sicherzugehen, dass diese vollständig und richtig sind. Gerade bei der Kommunikation mit Mandanten oder gegnerischen RAs erweckt man ansonsten schnell einen unprofessionellen und unordentlichen Eindruck.
Aller Anfang ist schwer, besonders der Berufseinstieg in einer Rechtsanwaltskanzlei. Mit der richtigen Herangehensweise ist diese Herausforderung aber gut zu meistern. Niemand erwartet, dass alles von Anfang an perfekt läuft. Wer sich gut vorbereitet, offen, lernbereit und kritikfähig ist, kann Unsicherheiten reduzieren und so den Start ins Berufsleben deutlich entspannter gestalten. Mit der Zeit wächst so nicht nur das fachliche Können, sondern auch das Vertrauen in die eigene Arbeitsweise.
Dr. Sonja Barnreiter ist Rechtsanwältin in ständiger Kooperation bei Metzler Rechtsanwälte und ist auf Prozessführung und Immobilienrecht spezialisiert. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich des Zivil- und Zivilprozessrechts und sie berät und verstritt Privatpersonen und Unternehmen im Zusammenhang mit dem Immobilien- und Wohnrecht.
Sonja findet man in der Freizeit auf der Yoga-Matte, auf Konzerten und Festivals, in den Bergen oder am Wasser mit einem guten Soundtrack. Zeitgenössische Kunst, Graphiken und die analoge Fotografie haben es ihr auch angetan, weshalb Sonja immer wieder auf Ausstelungen und Vernissagen anzutreffen ist. Geboren und aufgewachsen in Monza, verbindet Sonja noch viel mit der italienischen Kultur und dem italienischen Lebensgefühl.
Mag. Laura Metzler ist Partnerin bei Metzler Rechtsanwälte. Sie ist auf Arbeitsrecht und Zivilprozessrecht spezialisiert, in beiden Rechtsgebieten verfügt sie über langjährige Erfahrung. Sie berät überwiegend Unternehmen in allen Belangen des kollektiven und individuellen Arbeits- und Zivilprozessrechts und vertritt deren Interessen vor Behörden und Gerichten – dies sowohl langjährig, im Rahmen einer strategischen Beratung und eingespielten Partnerschaft, als auch projektbezogen.
Mag. Laura Metzler steht Ihnen bei allen arbeitsrechtlichen Fragestellungen in ihrem betrieblichen Alltag sowie in der strategischen Planung zur Verfügung, damit Sie rasch zu einer pragmatischen und zufriedenstellenden Lösung kommen.
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