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Karriere im juristischen Umfeld: Zwischen Erwartung, Realität und Flexibilität

Karriere als Juristin – Elisa Winkler, Headhunterin, gibt realistische Einblicke in die moderne Arbeitswelt – zwischen Teilzeitmodellen, späten Berufseinstiegen und unkonventionellen Karrierewegen.

Was erwarten junge Jurist:innen heute von ihrer Karriere? Wie viel Planbarkeit steckt wirklich in  juristischen Laufbahnen – und wo braucht es Offenheit für das Unerwartete? Als Headhunterin mit Spezialisierung auf juristische Fach- und Führungskräfte in Österreich,  insbesondere im Großraum Wien, spreche ich täglich mit Menschen, die genau an diesem Punkt stehen:  am Anfang, in der Mitte oder an einer Weggabelung ihrer juristischen Laufbahn. Zeit also, ein paar realistische – und vielleicht auch beruhigende – Gedanken zum Thema „Karriere“ zu teilen.


1. Teilzeit oder Vollzeit – Karriere hat viele Modelle
Viele Arbeitgeber in Wien – ob Kanzleien, Unternehmen oder öffentliche Institutionen – bieten  mittlerweile Teilzeitmodelle an. Was früher als Karrierebremse galt, ist heute in vielen Organisationen  gelebte Realität, vor allem im Inhouse-Bereich und zunehmend auch im Öffentlichen Dienst. Doch der Weg dahin ist noch nicht überall gleich fortgeschritten: In großen Wirtschaftskanzleien dominiert nach wie vor das klassische Vollzeitmodell mit hoher  Verfügbarkeit. Wer Karriere in dieser Welt machen will, tut sich mit Teilzeit schwer – aber: auch hier  beginnt ein langsames Umdenken, insbesondere im Hinblick auf die Generation Z.

Mein Eindruck: Wer frühzeitig kommuniziert, was ihm wichtig ist – sei es Familienzeit, Nebenprojekte  oder mentale Gesundheit – stößt zunehmend auf Verständnis. Nicht immer auf Begeisterung, aber doch  auf Offenheit.


2. Einstiegsalter – kein Karrierehemmnis, sondern Perspektive
Viele junge Jurist:innen in Österreich starten mit Ende 20 oder sogar Anfang 30 in ihre erste fixe  Stelle. Gründe dafür gibt es viele: Studium mit Freiheiten, Erasmus, Doktorat, Gerichtsjahr,  Masterprogramme. Und das ist gut so.
In der Praxis zählt nicht das Alter, sondern:

  • Wie klar jemand seine Stärken und Interessen benennen kann
  • Wie reflektiert man seinen Lebenslauf erklärt
  • Und wie realistisch die eigenen Erwartungen sind

Ein reifer Berufseinstieg mit 30 ist heute kein Nachteil mehr, sondern oft ein Zeichen von  Zielstrebigkeit und Persönlichkeit.

 

3. Lineare Karriereplanung? Ein Mythos aus vergangenen Tagen

Die Vorstellung: Jusstudium → Konzipient:in → Anwältin/Partner:in oder Syndikusjurist:in →  Bereichsleiter:in – hat ihre Berechtigung, aber auch ihre Begrenzung. Gerade in Wien sehe ich viele Jurist:innen, die bewusst nicht linear planen:

  • Einstieg im öffentlichen Sektor, dann Wechsel in ein Ministerium oder eine NGO
  • Erste Jahre in der Kanzlei, dann Umstieg auf Unternehmensjurist:in – oder umgekehrt
  • Zwischenstopp im Ausland oder Rückkehr ins Studium

Karriereverläufe verlaufen heute oft zickzack – und genau darin liegt Potenzial.

 

4. Ist Karriere überhaupt planbar?

Die ehrliche Antwort: Nur bedingt. Planbar ist, wohin man sich entwickeln möchte – welche Themen einen interessieren, welches Umfeld man sucht, was einem wichtig ist. Nicht planbar sind:

  • Veränderungen in der Branche
  • Persönliche Entwicklungen (z. B. Familienplanung, Burnout, Ortswechsel)
  • Wirtschaftliche oder politische Einflüsse (Stichwort LegalTech, Klimarecht, öffentliche  Sparmaßnahmen)

Mein Rat an Kandidat:innen: Planen Sie strategisch – und bleiben Sie offen für Umwege. Denn manchmal sind genau diese der Weg zu einer erfüllten Laufbahn.

 

5. Flexibilität – nicht nur ein Vorteil, sondern eine Notwendigkeit

Besonders in Wien, wo die juristische Landschaft dicht, aber divers ist – von großen internationalen  Kanzleien über spezialisierte Boutique-Firmen bis hin zu Ministerien und NGOs – ist Flexibilität ein  echter Erfolgsfaktor. Wer bereit ist, über den Tellerrand hinauszudenken, findet oft spannende,  vielleicht unkonventionelle, aber sehr erfüllende Karrierewege. Juristische Karrieren in Österreich – und insbesondere in Wien – werden zunehmend individueller.  Klassische Laufbahnen gibt es weiterhin, aber sie sind nicht mehr der einzige Weg. Wer bereit ist, sich selbst ehrlich zu reflektieren, flexibel zu bleiben und den Mut hat, seine eigene  Definition von Erfolg zu finden, hat heute mehr Möglichkeiten denn je.

Sie sind Jurist:in und denken über Ihren nächsten Karriereschritt nach? Oder suchen Sie  derzeit nach Mitarbeiter:innen im juristischen Kontext? Lassen Sie uns unverbindlich sprechen – ich unterstütze Sie gern mit Marktkenntnis, Diskretion und einem klaren Blick für Ihre Möglichkeiten.

Elisa Winkler

Geschäftsführerin der ARTUS people & culture

Elisa Winkler | [email protected] | 050-2788-822