Über 20 Jahre in einem Unternehmen und kein Tag ist langweilig: Dieser Blogbeitrag beleuchtet die beeindruckende Karriere von Sandra Wechselberger bei Swarovski, die über die Jahre eine entscheidende Rolle beim Aufbau neuer Geschäftsbereiche gespielt hat. Sie verrät, warum man Chancen ergreifen sollte, wieso eine Karriere auch mit einem MBA und einem unkonventionellen Weg möglich ist und wie Frauen aktiver Führungspositionen erreichen können.
Wenn Sie auf Ihre über 20-jährige Karriere bei Swarovski zurückblicken: Was hätten Sie damals nicht für möglich gehalten, das heute Realität ist?
Als ich vor über zwanzig Jahren bei Swarovski begann, hätte ich nie gedacht, dass mein Arbeitsalltag selbst nach so langer Zeit so abwechslungsreich und spannend sein würde. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und Möglichkeiten mit sich, was die Arbeit nie langweilig werden lässt. Die Zusammenarbeit mit so vielen talentierten und inspirierenden Menschen bereitet mir große Freude. Meine Leidenschaft für Swarovski, das Unternehmen und das Team ist nach all den Jahren ungebrochen. Es ist erfüllend, Teil eines solch dynamischen und engagierten Umfelds zu sein. Natürlich gibt es immer wieder Phasen oder Momente, die nicht so rosig sind, nerven oder aufreibend sind. Aber das ist doch in jedem Job so.
Was waren die größten Herausforderungen beim Aufbau und der Leitung der Swarovski New Ventures GmbH?
Die größte Herausforderung bestand darin, sich in einen vollkommen neuen Bereich einzuarbeiten und dabei neue Aufgaben zu übernehmen. Obwohl man als Unternehmensjuristin ein solides wirtschaftliches Verständnis benötigt, und mein Fokus weiterhin auf Recht und Finanzen lag, erfordert der Mitaufbau und die Co-Leitung einer neuen Geschäftseinheit wie der Swarovski New Ventures GmbH weitreichende unternehmerische Kenntnisse, strategisches Denken, Flexibilität und eine gehörige Portion Neugierde. Es war eine stetige Lernkurve, die sowohl Anpassungsfähigkeit als auch ein hohes Maß an Engagement verlangte. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen, der Aufbau eines externen Netzwerks, gute Einblicke in die Startup-Welt sowie Startup-Unternehmen waren ebenso herausfordernd wie inspirierend.
Ihre Tätigkeit erfordert sicherlich viel Engagement und Leidenschaft. Was fasziniert Sie an der Arbeit bei Swarovski KG – und was motiviert Sie, sich mit voller Energie einzubringen?
Die Arbeit bei D. Swarovski KG fasziniert mich täglich durch ihre Abwechslung, die internationale Ausrichtung und die Möglichkeit, mit Kollegen in aller Welt zusammenzuarbeiten. Besonders schätze ich das interdisziplinäre Teamwork, das kreative Ideen und Teamgeist fördert, sowie die gelebte Diversität.
Auch ist die kontinuierliche persönliche und fachliche Weiterentwicklung bei Swarovski für mich entscheidend, weshalb ich mich für den Abschluss eines Business Managements MBA sowie die Ausbildung zum Zertifizierten Compliance Manager entschieden habe. Durch meine langjährige Tätigkeit konnte ich viele neue Fähigkeiten entwickeln, unterschiedliche Teams leiten und mein Wissen ständig erweitern und einbringen. Die zusätzliche Rolle als Geschäftsführerin der Swarovski New Ventures GmbH schärfte mein unternehmerisches Denken und meine strategischen Fähigkeiten.
Diese Kombination aus Abwechslung, inspirierender Zusammenarbeit, internationaler Ausrichtung und gelebter Diversität motiviert mich täglich, mich mit voller Energie und Leidenschaft in meine Arbeit einzubringen.
Wie unterscheiden sich Ihre Aufgaben als derzeitige Vice President Corporate Counsel von Ihrer Rolle als interimistische General Counsel (a.i.)?
Der Fokus und der Gestaltungsspielraum ist als General Counsel ein gänzlich anderer. Und ich gestalte sehr gerne. Zwar war ich bereits viele Jahre Mitglied des globalen Führungsteam des Rechtsbereichs und daher mit strategischer Arbeit und Legal Management gut vertraut. Aber es macht nochmals einen Unterschied, ob man zu den wesentlichen Richtungsentscheidungen beiträgt, oder sie selbst initiiert und trifft.
Gerade in einer verantwortungsvollen Position spielt der Führungsstil eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Teams und des Unternehmens.Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben und wie hat sich dieser im Laufe Ihrer Karriere verändert? Gibt es vielleicht auch einen Aspekt Ihres Führungsstils, den Sie kontinuierlich weiterentwickeln möchten?
Der Führungsstil hat sich über die Jahre sicher genauso entwickelt wie ich mich selbst. Dabei muss aber natürlich auch auf den Entwicklungsstand, die Seniorität und Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingegangen werden. Manche Mitarbeitende brauchen mehr Führung, andere wollen mehr Führung.
Aber auch die Unternehmens- und Kommunikationskultur des Unternehmens sowie seine Erwartungen an Führungskräfte können eine Anpassung erfordern. Meinen Führungsstil würde ich als demokratisch-transformational bezeichnen, d.h. ich beziehe Mitarbeitende in Entscheidungen ein, setze Ziele und bespreche gemeinsam den Fortschritt. Ich erwarte ein hohes Maß an eigenständigem und eigenverantwortlichem Arbeiten, und lasse den Mitarbeitenden auch gerne Raum für eigene Entscheidungen.
Welche juristischen oder strategischen Entscheidungen innerhalb der Swarovski haben Sie besonders geprägt oder mitgestaltet?
Es waren vor allem organisatorische und personelle Entscheidungen innerhalb des Legal Teams, sowie der Kulturwandel im Laufe der Zeit, die mich besonders geprägt haben.
Was hat Sie dazu bewogen, ein MBA-Studium an der FH Burgenland zu absolvieren – nach bereits langjähriger Berufserfahrung?
Weiterbildung ist eine lebenslange Aufgabe und Freude. Ein MBA-Studium stand bereits sehr viele Jahre auf meiner Wunschliste, aber ich hatte nie die Zeit dafür. Ich nahm mir nie die Zeit dafür. Ich sah vor allem die Umstände und den enormen Zeitaufwand, die mich davon abhielten. Das Angebot eines MBA-Studiums, das ich online absolvieren konnte, hat mich von allen zeitlichen und örtlichen Ketten und Beschränkungen befreit.
Als Unternehmensjurist:in in einer Rechtsabteilung wird man oft in eine Schublade gesteckt, selbst wenn man jeden Tag beweist, dass die eigene Expertise weit über den Rechtsbereich hinausgeht. Durch das MBA-Studium konnte ich sowohl bestehende Kenntnisse vertiefen, aber auch neue aufbauen und praktisch anwenden.
Wie hat das Führungskräfteprogramm „Zukunft.Frauen“ Ihre persönliche und berufliche Entwicklung beeinflusst? Was haben Sie daraus mitgenommen?
Ich habe viel über Kommunikation und Selbstpräsentation gelernt, aber vor allem auch, wie stark Netzwerke sein können, wenn engagierte Frauen dahinterstehen. Leider kann ich aufgrund der örtlichen Distanz nur an sehr wenigen Veranstaltungen des Alumni-Clubs teilnehmen, der sehr inspirierende Vorträge mit spannenden Persönlichkeiten und Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung anbietet. Mitgenommen habe ich auch die Freundschaft zu zwei Teilnehmerinnen, die wir noch immer pflegen. Diese Freundschaft pflegen wir auch noch immer. Meine berufliche Entwicklung hat die Teilnahme jedoch nicht beeinflusst.
Das Thema Diversität, insbesondere die Förderung von Frauen in Führungspositionen, gewinnt auch in Österreich immer mehr an Bedeutung.Welche konkreten Maßnahmen sehen Sie als wirksam, um mehr Frauen in Führungsrollen in Österreich zu bringen?
Sichtbarkeit im Unternehmen ist wichtig, aber auch die Bereitschaft der Frauen, aufzuzeigen wenn es um die Verteilung von Verantwortung geht und sich aktiv ins Spiel zu bringen. Dazu kommt die Bereitschaft, nach der Geburt eines Kindes rasch wieder und voll in den Beruf einzusteigen. Das bedeutet nicht, dass Führungsrollen in Teilzeit nicht funktionieren würden. Aber Teilzeitmodelle sind leider nicht förderlich, insbesondere da die Entscheidung, wem eine Führungsrolle zugetraut wird, meistens von Männern getroffen wird, die selbst nie familienbedingt ihre Karriere für längere Zeit unterbrochen haben und vor die Wahl gestellt wurden, ob sie Teilzeit arbeiten wollen oder müssen (mangels Betreuungsplätzen). Entscheidet sich eine Frau, nach der Geburt dennoch in Teilzeit zu arbeiten, ist es wichtig selbst aufzuzeigen, wie eine Führungsrolle in Teilzeit in dem konkreten Unternehmen für die konkrete Position funktionieren kann. Wichtig ist daher, selbst aktiv zu werden und nicht zu erwarten, dass sich der Vorgesetzte oder die HR-Abteilung dies überlegt und plant.
Wenn es um die Besetzung von Vorstands- und Aufsichtsratspositionen geht, geht es leider nur durch Druck von außen (gesetzliche Quote) oder einem Self-Commitment des Unternehmens (freiwillige Quote, aus eigenem Antrieb oder aufgrund der Erwartung der Kunden und des Marktes).
In einem anspruchsvollen Arbeitsumfeld wie dem Ihren können inspirierende Gedanken eine große Stütze sein. Gibt es ein Zitat oder einen Leitspruch, der Ihnen täglich Motivation und positive Energie gibt?
Just do it!
Weiterbildung ist eine lebenslange Aufgabe und Freude.
Sandra Wechselberger
Dr. Sandra Wechselberger-Schreyer, MBA, Vice President Corporate Counsel, ist seit 2001 als Unternehmensjuristin in der Rechtsfunktion von Swarovski tätig, und auch Geschäftsführerin der Swarovski New Ventures GmbH. Aktuell betreut sie den Bereich Legal Product & Compliance.
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.