Der Weg zur Teamleiterin in der Versicherungsbranche war nicht geplant, und doch ist es heute ihre Berufung. Dieser Blogbeitrag beleuchtet den unkonventionellen Karriereweg von Dr. Birgit Julia Wirth bei UNIQA, die den Mut hatte, Chancen zu ergreifen und heute die Transformation der Branche aktiv mitgestaltet.
Bevor wir in die Details Ihrer spannenden Arbeit bei UNIQA eintauchen, würde uns interessieren: Was hat Sie ursprünglich dazu inspiriert, eine Karriere als Unternehmensjuristin einzuschlagen?
Es war nie geplant, dass ich als Unternehmensjuristin arbeite. Mein beruflicher Werdegang war generell nicht geplant. Für das Jus-Studium habe ich mich entschieden, da es mir meiner Meinung nach eine Vielzahl an beruflichen Perspektiven ermöglicht. Die Juristerei bietet einfach ein ideales „Handwerkszeug“ für verschiedenste spannende Tätigkeiten in der Rechts- und Beratungsbranche.
Während des Studiums habe ich als Studienassistentin, als juristische Mitarbeiterin in einer Kanzlei und als Sommerpraktikantin in Rechtsabteilungen gearbeitet. Nach dem Studium habe ich klassisch als Rechtsanwaltsanwärterin meinen Berufseinstieg gemacht. Der Weg zur Unternehmensjuristin hat sich ergeben. Ich habe während des Studiums immer (unreflektiert und uninformiert) gesagt, dass ich nie für eine Versicherung oder eine Bank arbeiten wollen würde. Meine naive Vorstellung war, dass es eher langweilig in einer Rechtsabteilung einer Versicherung zugehen würde. Damals wusste ich noch nicht, wie spannend und vielfältig die Aufgaben eines:einer Unternehmensjurist:in – vor allem in der Finanzdienstleistungsbranche – sein können.
Gab es ein besonderes Erlebnis oder eine prägende Erfahrung, die Sie auf diesem Weg bestärkt hat?
Nach der Zeit als Rechtsanwaltsanwärterin und Universitätsassistentin (Prae Doc) war ich unentschlossen, was meine nächste berufliche Station sein soll. Zum Glück sprach mich das tolle Recruiting-Team von UNIQA genau in jener Zeit an, als mein befristetes Dienstverhältnis an der Uni auslief. UNIQA baute gerade die Legal & Compliance-Abteilung neu auf und suchte eine:n Legal Counsel für die Konzernrechtsabteilung in Wien. Ich wollte nur vorübergehend von Salzburg nach Wien ziehen. Gleich im ersten Jahr bei UNIQA ergab sich die Chance, mich auf die Teamleitung für das Legal-Team zu bewerben. Jetzt arbeite ich seit mittlerweile 8 Jahren für UNIQA und bin sehr glücklich, dass ich die berufliche Chance ergriffen habe, als sie sich mir bot. Dank einer tollen Home-Office-Vereinbarung, die eine hybride und moderne Arbeitsweise ermöglicht, kann ich in Salzburg und Wien leben und auch ein paar Tage remote vom EU-Ausland arbeiten.
Um auf die Frage zurückzukommen: Prägend war wahrscheinlich der „Zufall“, einerseits, dass ich von UNIQA angesprochen wurde und andererseits, dass ich im ersten Jahr Teamleiterin wurde. Ich habe daraus gelernt, dass man für Wege, die einem das Leben aufzeigt, offen sein muss und Chancen nutzen muss, wenn sie sich einem eröffnen.
Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Universitätsassistentin prägen Ihre Arbeit heute noch? Wie war der Übergang von der juristischen Theorie an der Universität in die Praxis bei UNIQA?
Die Zeit als Universitätsassistentin war sehr aufschlussreich für mich. Ich habe dort zwei wichtige Skills erworben: (i) Aus meiner Sicht ist es wichtig, juristisch gut argumentieren und aussagekräftig formulieren zu können. Das lernt man in der Wissenschaft, aber auch in einer guten Anwaltskanzlei, wenn man die antiquierten Anwaltsfloskeln („Juristen-Deutsch“) weglässt und versucht, Gedanken klar zu strukturieren und diese sachlich und adressatengerecht zu kommunizieren. Ich hatte einen sehr strengen Doktorvater, bei dem ich die wissenschaftliche Arbeitsweise richtig gut gelernt habe. (ii) Außerdem habe ich gelernt, vor einem größeren Publikum frei und sicher zu reden. Durch die Lehre und verschiedene Vorträge habe ich die Scheu abgelegt vor größeren Gruppen zu sprechen. Wenn man sich kritischen Studierendenfragen stellen kann, kann man auch die Fragen eines Konzernvorstands ohne Angst und Unsicherheit beantworten. Inzwischen liebe ich es vor einem Fachpublikum vorzutragen oder auch unternehmensintern zu rechtlichen Themen zu schulen.
Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten empfinden Sie in Ihrer Rolle als Teamleiterin besonders spannend und erfüllend?
Als ich in die neue Rolle als Teamleiterin gekommen bin, war das Team kleiner. Ich hatte meine Leadership-Aufgaben und konnte daneben auch noch fachlich an Projekten mitarbeiten. Primär hatte ich mich im Sachversicherungs- und Vertriebsrecht spezialisiert und habe meine Kenntnisse in diesem Bereich kontinuierlich ausgebaut. Mittlerweile ist das Legal-Team doppelt so groß und die Aufgabenbandbreite, die wir als Team abdecken, dementsprechend auch größer. Jetzt manage ich eher unsere Aufgaben als Legal-Team als dass ich selbst noch „Legal“ bin. Es war ein Prozess, mich von der Rolle als rechtliche Fachexpertin hin zu einer Legal-Managerin zu entwickeln.
Viele junge Kolleg:innen streben nach Führungsverantwortung, sind aber vom Mindset her durch und durch Fachexpert:innen. Das muss man sich genau überlegen, ob man eine Führungsrolle nur aus Hierarchie- und finanziellen Überlegungen anstrebt oder ob man diese Rolle wirklich leben will. Ich finde sowohl eine Fachexpert:innen-Karriere als auch eine Führungsrolle spannend. Irgendwann muss man sich zwischen diesen beiden Karrierepfaden entscheiden.
Sie haben mich gefragt, was ich als besonders erfüllend in meinem jetzigen Job empfinde: In meinem Team aus juristischen Top-Expert:innen – fast alle mit Anwaltsprüfung – ist das juristische Wissen unfassbar breit und zugleich tiefgehend. Es ist ein Privileg mit so vielen klugen Jurist:innen jeden Tag arbeiten zu können. Wir arbeiten einerseits eigenständig und performen aber auch als Team. Meistens arbeiten zwei oder drei Jurist:innen mit unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten in Projekten zusammen.
Ich bilde als Teamleiterin die Klammer über die Projekte: Meine wichtigste Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Jurist:innen im Team Beratungsleistungen mit höchster Qualität und guter Motivation erbringen können. Meine andere wichtige Aufgabe ist Kommunikation: Ich kanalisiere die Informationen im Team, informiere die Bereichs- oder Unternehmensleitung über wichtige rechtliche Themen, berate unsere Geschäftseinheiten zu rechtlichen Themen und manage rechtliche Risiken. Kommunikationsmäßig bin ich mit anderen Abteilungen im Konzern und unternehmensextern vernetzt. Diplomatische, juristisch fundierte und adressatengerechte Kommunikation ist das A und O als Unternehmensjurist:in. Das empfinde ich auch als sehr erfüllend.
Welche Chancen zur beruflichen Weiterentwicklung bietet die UNIQA speziell für Jurist*innen?
Ein Versicherungskonzern bietet viele spannende Aufgaben für Jurist:innen. Man kann nicht nur in der Konzernrechtsabteilung, sondern auch in verschiedenen Fachabteilungen juristisch arbeiten, zB in den Vertragseinheiten („Underwriting“ von Versicherungsverträgen), in der Schadenabteilung (Regulierung von Schadenfällen), in der Produktentwicklung, im Compliance-, Geldwäschepräventions- oder Datenschutzbereich. UNIQA investiert viel in die berufliche Entwicklung der Miterarbeiter:innen, zB durch transparente Karrierepfade, Fortbildungen, Development Center etc. Neben einer Fachkarriere ergeben sich auch immer wieder interessante Führungspositionen. Nachdem UNIQA in internationaler Versicherungskonzern ist, kann man auch in anderen UNIQA-Tochtergesellschaften im Ausland arbeiten und danach wieder ins Headquarter in Wien oder in die regionalen Einheiten zurückkommen. Mir war damals – als ich nicht für eine Versicherung arbeiten wollte – überhaupt nicht klar, welche vielfältigen Aufgaben ein Versicherungskonzern wie UNIQA für Jurist:innen bieten kann.
Gibt es ein besonderes Ereignis oder einen Erfolg, auf den Sie besonders stolz sind?
Ich bin stolz darauf, dass ich berufliche Chancen genutzt habe – sei es die Stelle als Rechtsanwaltsanwärterin, als Universitätsassistentin oder als Juristin und Teamleiterin bei UNIQA. Ich war immer dankbar dafür, dass mir diese Chancen „zugefallen“ sind, auch wenn ich weiß, dass es keinen Zufall gibt. Zu einer Karriere gehört immer ein solides Fundament – Wissen, Skills und Erfahrungen, die man erwirbt – und darauf aufbauend ein bisschen Glück, Mut und Menschen, die einen im richtigen Moment zur Seite stehen und einen bestärken.
Welche beruflichen Herausforderungen haben Sie bisher gemeistert und wie haben Sie diese bewältigt? Wie gehen Sie mit Stress und unerwarteten Problemen im Arbeitsalltag um?
Der Alltag als Unternehmensjurist:in ist immer herausfordernd: Man ist fast jeden Tag mit neuen rechtlichen Fragen, Anforderungen aus dem Business, verschiedensten Charaktere und Persönlichkeiten in einem Konzern, Zeit- und Kostendruck sowie zwischenmenschlichen Konflikte konfrontiert. Ein Konzern hat immer eine eigene Dynamik, in der man als Unternehmensjurist:in den Überblick und Ruhe bewahren muss, damit man die Unternehmensleitung gut beraten kann.
Unerwartete Probleme im Unternehmensalltag gehören quasi dazu und machen es spannend. Stress gehört ja mittlerweile zum „guten Ton“. Wer nicht gestresst ist, ist nicht wichtig genug. Wenn Stress nur eine gewisse Dynamik im Arbeitsalltag bedeutet, ohne dass man ständig überfordert und ausgelaugt ist, empfinde ich einen „stressigen“ Tag als etwas Gutes. Ich könnte mir keinen Arbeitstag vorstellen, bei dem ich ständig auf die Uhr schaue und hoffe, dass der Tag vergeht. Zum Glück kenne ich solche Tage nicht.Welche aktuellen rechtlichen Trends oder Entwicklungen in der Versicherungsbranche finden Sie besonders interessant oder herausfordernd?
Die Versicherungsbranche ist aus meiner Sicht in einem Umbruch. Man spricht über neue Geschäftsmodelle, Kundenzentrierung, Digitalisierung und Deregulierung in der streng regulierten Versicherungswirtschaft. Eine alte und lang etablierte Branche wie die Versicherung vollzieht einen Wandel zwar langsam, aber grundlegend. Diesen Wandel rechtlich zu begleiten und live mitzuerleben, finde ich interessant.
Wie beeinflussen technologische Entwicklungen und die Digitalisierung Ihre Arbeit als Unternehmensjuristin bei der UNIQA? Gibt es spezielle Projekte, an denen Sie beteiligt sind?
Die Rolle der (Unternehmens-)Jurist:innen befindet sich durch die Digitalisierung ebenfalls in einem Wandel. Ich habe 2005 zu studieren begonnen. 20 Jahre später geht niemand mehr in eine Uni-Bibliothek, um einen Zeitschriftenartikel auszuheben. Wir müssen stetig unser Handwerkszeug, das ich eingangs erwähnt habe, erweitern, nachjustieren oder neu erlernen. Der Umgang mit KI-Lösungen ist ein Upskilling- und Change-Prozess. Wir werden alle lernen müssen mit unserem erlernten Wissen und den jetzt zur Verfügung stehenden Werkzeugen produktiver und schneller zu arbeiten. Das ist Fluch und Segen zugleich, aber letztlich unausweichlich.
Wenn Sie heute zurückblicken – was würden Sie Ihrem jüngeren Ich zu Beginn Ihrer Karriere raten?
So alt bin ich noch nicht, dass ich über meine Karriere ein Resümee ziehen könnte, aber aus heutiger Sicht würde ich alles gleich machen: Offen für Chancen sein und diese im richtigen Moment ergreifen. Karrieren kann man planen oder sie einfach machen.
In meinem Team aus juristischen Top-Expert:innen – fast alle mit Anwaltsprüfung – ist das juristische Wissen unfassbar breit und zugleich tiefgehend. Es ist ein Privileg mit so vielen klugen Jurist:innen jeden Tag arbeiten zu können. Wir arbeiten einerseits eigenständig und performen aber auch als Team.
Dr. Birgit Julia Wirth
Dr. Birgit Julia Wirth, MBL ist Leiterin des Legal-Teams bei der UNIQA Insurance Group AG in Wien seit 2018. Davor war sie kurz als Senior-Legal-Counsel mit Schwerpunkt Sachversicherungs- und Vertriebsrecht in dieser Abteilung tätig.
Birgit studierte in Salzburg Rechtswissenschaften, promovierte im Europäischen Strafrecht und absolvierte einen Universitätslehrgang zur Wirtschaftsjuristin (Master of Business Law, MBL) an der SMBS University of Salzburg. Während ihres Studiums arbeitete Birgit als juristische Mitarbeiterin in Salzburger Rechtsanwaltskanzleien, als Studienassistentin im Privatrecht an der Universität Salzburg und in Rechtsabteilungen als Sommerpraktikantin. Während eines Auslandsaufenthalts arbeitete Birgit beim Verbindungsbüro des Landes Salzburg in Brüssel. Nach dem Abschluss ihres Studiums startete Birgit als Rechtsanwaltsanwärterin in einer Salzburger Wirtschaftsrechtskanzlei und wechselte 2012 zurück in die Wissenschaft als Universitätsassistentin am Strafrechtsinstitut der Universität Salzburg. Nach Ablauf des befristeten Dienstverhältnisses an der Uni zog es Birgit im Jahr 2017 beruflich nach Wien zu UNIQA.
Birgit lebt und arbeitet in Wien und Salzburg, ist Autorin verschiedener Fachpublikationen im Straf- und Versicherungsrecht sowie ständige Mitarbeiterin der Fachzeitschrift für Versicherungsrecht (ZVers).
Für weitere Einblicke in die berufliche Laufbahn und Expertise, besuche ihr LinkedIn-Profil: Birgit Julia Wirth | LinkedIn
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.