Karriere in der Bankenbranche: Eda Yafet bei der Raiffeisenbank bricht mit klassischen Karrierewegen. Sie erzählt, warum sie sich für die Tätigkeit als Arbeitsrechtlerin in einer der größten Banken Mitteleuropas entschieden hat, wie sie den Spagat zwischen juristischer Korrektheit und unternehmerischen Bedürfnissen meistert und warum die richtige Umgebung entscheidend ist.
Wir sind gespannt, wie Sie als Unternehmensjuristin bei der Raiffeisenbank den “rechtlichen Rahmen” setzen. Was hat Sie zu dieser Karriere inspiriert?
Während meines Jus-Studiums am Juridicum Wien habe ich nebenbei als studentische Mitarbeiterin in einer renommierten Kanzlei gearbeitet und mitbekommen, wie die damalige Partnerin dieser Kanzlei die Rechtsabteilung eines bekannten österreichischen Unternehmens rechtlich beraten hat. Ich habe mir dann sogleich die Frage gestellt, ob man mit diesem Studium auch Berufe ergreifen kann, die nicht zu den “klassischen” Rechtsberufen gehören, obwohl ich eigentlich mit Jus begonnen hatte, um Rechtsanwältin zu werden. Dank dieser Partnerin habe ich Einblicke in eine Rechtsabteilung eines Unternehmens erhalten und war von Grund auf begeistert. Ich habe miterlebt, dass die Jurist:innen in diesem Unternehmen viele Gestaltungsmöglichkeiten haben und die Auswirkungen ihrer Beratung direkt miterleben. Für mich war daher ab diesem Zeitpunkt schon klar, dass das Jusstudium viel mehr ermöglichen kann, als nur die klassischen Rechtsberufe zu ergreifen.
Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Tätigkeit als Unternehmensjuristin in einer Bank von ähnlichen Rollen in anderen Branchen?
Die Bankenbranche ist ein sehr stark regulierter Bereich. Daher ist es umso wichtiger, spezielle Regularien zu beachten. Da ich als Arbeitsrechtsjuristin tätig bin, trifft das vielleicht nicht so ganz auf mein Themengebiet zu, wie in anderen Bereichen. Dennoch gibt es auch für das Human Resources bestimmte Themenfelder, die aufgrund der Regularien beachtet werden müssen, zB wenn es um die Vergütungspolitik geht.
Welche rechtlichen Herausforderungen begegnen Ihnen am häufigsten in Ihrer Position bei der Raiffeisenbank?
Manchmal kann es schwierig sein, als Jurist:in das ganzheitliche Bild im Auge zu behalten. Einerseits möchte man juristisch richtig vorgehen, andererseits muss man den Bedürfnissen des Unternehmens entsprechen. Die Herausforderung liegt dann darin, pragmatische Ansätze zu finden und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man beide Hüte sinnvoll einsetzen kann.
Was hat Sie am Arbeitsrecht und an der Zusammenarbeit mit der Personalabteilung so fasziniert, dass Sie sich auf diesen Bereich spezialisiert haben?
Ein:e klassische:r HRler:in würde jetzt vermutlich antworten “den Bezug zu den Menschen” 🙂. Meine Antwort geht in eine ähnliche Richtung: Am Arbeitsrecht bzw auch am Sozialversicherungsrecht fasziniert mich generell, dass es jede Person in irgendeiner Form betrifft. Dh jeder Mensch kommt in seinem Leben mit dem Arbeitsrecht und Sozialversicherungsrecht in Berührung. Obwohl es für manche nach einem „kleinen“ Rechtsgebiet klingt, ist es in Wirklichkeit ein sehr breites Feld mit unterschiedlichen Anknüpfungspunkten. Sowohl das Individualarbeitsrecht als auch das kollektive Arbeitsrecht haben so umfangreiche Eigenheiten, dass man fast jeden Tag etwas Neues dazulernt. Außerdem hat jedes Unternehmen spezielle Themen und Schwerpunkte, weshalb die Zusammenarbeit mit der Personalabteilung bzw dem Unternehmen jeden Tag neue Herausforderungen bringen kann.
Sie unterstützen das HR-Team als Arbeitsrechtlerin – wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Legal und HR konkret?
In meiner jetzigen Rolle als Employment Law Expert unterstütze ich beispielsweise die Führungskräfte und Vorstände in jeglichen arbeitsrechtlichen und personalwirtschaftlichen Angelegenheiten. Dies geschieht manchmal direkt an der Front und auch im Hintergrund über unsere HR-Sparringpartner:innen, wie zB HR Business Partner:innen, Generalist:innen und auch Recruiter:innen. Zudem beschäftige ich mich auch mit betriebsverfassungsrechtlichen Themen und unterschiedlichen Kollektivverträgen. Das heißt, je nachdem, welche:n Sparringpartner:in man betreut und welches Themengebiet gefragt ist, gestaltet sich die Beratungstätigkeit sehr unterschiedlich. Vereinfacht gesagt sind meine Kolleg:innen sowie das ganze Unternehmen meine Mandant:innen.
Die rechtlichen Regulierungen im Finanz- und Bankwesen ändern sich ständig. Wie stellen Sie sicher, dass Sie immer über die neuesten Entwicklungen informiert sind?
Das Vorteilhafte an meiner Tätigkeit ist, dass ich in jeder Branche tätig sein kann. Das Arbeitsrecht ist nicht so stark von der Branche und von den jeweiligen Regularien abhängig. Natürlich ist es wichtig, immer up to date zu sein, vor allem auch in Richtung „Compliance“-Themen. Wichtig ist es jedenfalls, in arbeits- und sozialrechtlichen Themen auf dem neuesten Stand zu bleiben. Es gibt mittlerweile so viele verschiedene Plattformen, wir kennen es alle: RIS, LexisNexis, RDB Rechtsdatenbank, Seminare und dann natürlich auch Vorträge, die beispielsweise Kanzleien in unterschiedlichen Formaten anbieten.
Welche Methoden und Techniken setzen Sie ein, um auch unter hohem Druck und bei kurzen Fristen effizient und produktiv zu bleiben? Und wie trägt das Arbeitsumfeld bei der Raiffeisenbank dazu bei, dass Sie Ihre Aufgaben erfolgreich bewältigen können?
Mir hilft das Eisenhower-Prinzip sehr, indem ich Dringendes von Wichtigem unterscheide und somit meine to-do Liste klar definieren kann. Das hilft mir, auch unter Zeitdruck den Fokus zu behalten. Außerdem finde ich es wichtig, „focus-time“ im Arbeitsalltag einzubauen, denn in einem Unternehmen kann es schnell passieren, dass die Kolleg:innen sich unangekündigt melden, meistens genau dann, wenn man in einem komplexen Thema vertieft ist . Deshalb blocke ich im Arbeitskalender meistens aktiv “focus-time” Zeiten, um an bestimmten Themen ungestört und fokussiert arbeiten zu können.
Und auch die offene Kommunikation sowie der Austausch mit anderen Fachbereichen trägt dazu bei, viele Fragen frühzeitig zu klären, was die Zusammenarbeit einfacher und effektiver macht.
Wie sehen Sie die Rolle der Unternehmensjuristin in der sich ständig verändernden Finanzbranche in den nächsten fünf Jahren?
Ich sehe die Rolle der Unternehmensjuristin in der Finanzbranche als noch strategischer, agiler und digitaler. Die Branche befindet sich in einem konstanten Wandel – regulatorisch, technologisch und gesellschaftlich. Jurist:innen werden nicht mehr nur als „Risiko-Bewerter“ am Ende eines Prozesses gebraucht, sondern immer stärker als proaktive Sparringspartner:innen, die rechtliche Aspekte frühzeitig mitdenken und strategisch einordnen. Aber auch die KI wird besonders wichtig sein und es gilt digitale Tools im rechtlichen Bereich nicht nur zu verstehen, sondern auch zu begleiten und mitzugestalten.
Gibt es eine bestimmte Person oder ein Ereignis, das Ihre berufliche Laufbahn besonders beeinflusst hat?
Hier möchte ich etwas ausholen, weil ich diese Frage sehr wichtig finde: Ich würde sagen, dass mich sehr viele unterschiedliche Personen in meiner beruflichen Laufbahn geprägt haben. Es ist wichtig, ein:e Mentor:in zu finden, die einem wertvolle Tipps und Insiderwissen gibt, damit man dann selber reflektieren kann. Ich habe sowohl berufliche Kolleg:innen als Mentor:innen, aber auch außerhalb meiner bisherigen Arbeitgeber:innen nach einer Mentor:in gesucht. Von „außen“ ein:e Mentor:in zu haben, hat nämlich auch den Vorteil, einen anderen Blickwinkel zu erlangen, nur ist das meistens ein Kostenthema. Während meiner Suche habe ich dann mitbekommen, dass Google eine bestimmte Personenanzahl für ein Mentor:innenprogramm fördert, also die Kosten für das Programm übernimmt. Ich habe mich daher bei Google für diese Förderung beworben und mir ist es gelungen, das Sponsoring zu erhalten, was eine tolle Erfahrung war. Insgesamt hatte ich somit die Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven und Ansätze von Personen zu erlernen, die bereits das erreicht haben, was ich erreichen möchte und das ist unglaublich wertvoll. Ich finde es generell wichtig, sich mit Personen zu umgeben, die einen unterstützen und weiter nach oben pushen und nicht ausbremsen. Das ist aber manchmal gar nicht so einfach, weil es immer jemanden geben kann, der den eigenen Ehrgeiz oder Erfolg nicht unterstützt. Meistens nicht einmal deshalb, weil die Person das nicht auch erreichen könnte, sondern weil es uns Menschen generell schwer fällt, die Komfortzone zu verlassen und den nächsten Schritt zu wagen. Davon darf man sich aber nicht abhalten lassen. Deshalb ist es umso wichtiger, sich mit Personen zu umgeben, die einem weiterhelfen. Dies ist auch einer der Gründe weshalb ich einen eigenen Podcast namens “Erfolgskompass-Wegweiser für Entschlossene” gegründet habe. Ich möchte eine Plattform schaffen, die inspirierend und motivierend ist, um die eigenen Ziele zu erreichen. Oft fehlt es am eigenen Netzwerk oder an Ressourcen, um den nächsten erfolgreichen Schritt setzen zu können und genau da möchte ich ansetzen. Ich möchte jeder Person Informationen und Wissen vermitteln, die wissen, was sie erreichen möchten, aber das “Wie” dazu (noch) nicht kennen.
Was wünschen Sie sich von jungen Juristinnen, die bei der Raiffeisenbank ihre Karriere starten wollen? Welche Skills sollte man mitbringen?
Mein größter Tipp ist, pragmatisch zu sein, denn die Beratung in einem Unternehmen funktioniert etwas anders als in einer Kanzlei. Außerdem sollte man versuchen, so offen wie möglich zu sein, um das Unternehmen und die unterschiedlichen Bereiche kennenzulernen und diese zu verstehen, damit eine ganzheitliche Beratung möglich ist.
Ich sehe die Rolle der Unternehmensjuristin in der Finanzbranche als noch strategischer, agiler und digitaler. Die Branche befindet sich in einem konstanten Wandel – regulatorisch, technologisch und gesellschaftlich.
Eda Yafet
Eda Yafet hat ihr Jusstudium in Wien 2018 beendet und ist seither Unternehmensjuristin. Sie war bereits in unterschiedlichen Konzernen tätig und ist derzeit bei der Raiffeisenbank International AG beschäftigt, wo sie unter anderem Führungskräfte und auch Vorstände in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten berät. Aufgrund ihrer Schnittstellen zu strategischen Personalangelegenheiten hat sie zudem berufsbegleitend ein Zweitstudium im digitalen HR-Management abgeschlossen. Privat ist es ihr als Gründerin des Podcasts Erfolgskompass – Wegweiser für Entschlossene ein leidenschaftliches Anliegen, Wissen und Insider-Einblicke zu Themen wie Zielerreichung und persönlicher Entwicklung zu teilen.
Für weitere Einblicke in die berufliche Laufbahn und Expertise, besuche ihr LinkedIn-Profil: Eda Yafet | LinkedIn
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