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Raus aus dem Hörsaal, rein in die Welt: Auslandserfahrungen in Shanghai und Kopenhagen

Praktikum in Shanghai, Auslandssemester in Kopenhagen – Wie geht das und mit welchen Herausforderung ist dies verbunden. All dazu berichtet uns Hannah in unserem neuen Blogbeitrag.

1. Du hast während deines Rechtswissenschaften Studiums ein Praktikum in Shanghai absolviert und ein Auslandssemester in Kopenhagen verbracht. Was hat dich dazu bewegt, genau diese internationalen Erfahrungen zu machen?

China als Land hat mich bereits lange vor Beginn meines Studiums sehr interessiert. Besonders die zahlreichen Megacities, die kulturellen Unterschiede zu Europa sowie die jahrtausendealte Geschichte des Landes fand ich schon als Kind faszinierend. Als ich von der Möglichkeit eines Volontariats beim AußenwirtschaftsCenter in Shanghai erfahren habe, musste ich daher nicht lange überlegen und habe mich sofort beworben. Für mich war es eine einmalige Gelegenheit, nicht nur erste praktische Erfahrungen in einem internationalen Umfeld zu sammeln, sondern auch in eine völlig andere Kultur einzutauchen und meinen persönlichen Horizont zu erweitern.

Bei der Entscheidung für ein Auslandssemester in Kopenhagen war zum einen die Universität in Kopenhagen selbst ausschlaggebend, insbesondere das Kursangebot im Bereich des Europarechts, fand ich fachlich sehr spannend und hat mein Studium in Wien gut ergänzt. Zum anderen hat mich auch die Stadt Kopenhagen sehr angesprochen, obwohl ich vor Beginn meines Auslandssemesters noch nie dort gewesen war. Ich schätzte zudem die Nähe zu Österreich und die gute Erreichbarkeit, da mich meine Familie und mein Freund während des Aufenthalts besuchen konnten. 

2. Warum hast du dich dafür entschieden das Praktikum in Shanghai bzw. dein Auslandssemster in Kopenhagen zu absolvieren?

Ich wollte während meines Studiums bewusst Erfahrungen außerhalb meines gewohnten Umfelds sammeln, um mich persönlich weiterzuentwickeln und meinen Horizont zu erweitern. Das Praktikum in Shanghai hat mir einen einzigartigen Einblick in ein völlig anderes rechtliches und kulturelles System ermöglicht und mir die Möglichkeit gegeben zu lernen, mich schnell auf neue Situationen in einem anderen kulturellen Umfeld einzustellen. Das Auslandssemester in Kopenhagen hingegen bot mir die Möglichkeit, in einem internationalen und sehr diskussionsorientierten akademischen Umfeld zu studieren. Beide Auslandserfahrungen haben mich offener und selbstständiger. Ich würde daher jedem/r Studierenden empfehlen alle Möglichkeiten Auslandserfahrungen zu sammeln zu nutzen. 

3. Zum Auslandssemster: Gibt es Rechtsgebiete, welche an der Universität in Kopenhangen noch schwieriger sind als bei uns?

Im Rahmen meines Auslandssemesters in Kopenhagen habe ich drei Kurse besucht: International Environmental Law, EU Welfare Law und Human Rights Law. Grundsätzlich habe ich die Lehrveranstaltungen nicht als schwieriger empfunden als am Juridicum in Wien, sondern vielmehr etwas anders aufbaut, als ich das aus Wien gewohnt war. Der Umgang der Lehrenden mit den Studierenden war durchgehend sehr offen und freundlich, und es bestand stets die Möglichkeit, zusätzliche Materialien zu erhalten sowie offene Fragen ausführlich zu diskutieren. Das Lehrangebot war meiner Meinung nach stärker „schulisch“ eingebettet als in Wien. Die Kurse waren deutlich kleiner, wodurch ein intensiver Austausch möglich war. Der Unterricht fand weniger im Rahmen eines klassischen Vortrags statt, sondern war stark diskussionsorientiert und lebte vom aktiven Mitwirken der Studierenden. Das war einerseits ein großer Vorteil, da man die Möglichkeit hatte stets zur Konversation beizutragen, jedoch auch ein gewisser Nachteil. Die Kurse in Kopenhagen hatten keinerlei Anwesenheitspflichten, weshalb einige sehr schlecht besucht waren – ein Faktor, der für eine lebende Diskussion natürlich negativ ist. Auch die Prüfungsformate unterschieden sich teilweise stark von denen am Juridicum.  Zum Beispiel musste in einem Kurs anstelle einer großen mündlichen Prüfung, wie sie am Juridicum üblich wäre, ein sogenanntes Long Paper verfasst werden, das in Aufbau und Anspruch eher einer Seminararbeit ähnelte. 

4. Wie sieht ein typischer Studientag in Kopenhagen aus?

Ein typischer Studientag in Kopenhagen war meistens sehr abwechslungsreich gestaltet. Meine Lehrveranstaltungen fanden an drei Wochentagen statt, an den übrigen Tagen war ich jedoch ebenfalls häufig am Campus, um gemeinsam mit Freund:innen zu lernen oder mich auf Kurse und Prüfungen vorzubereiten. Der Campus der University of Copenhagen ist sehr weitläufig und grün gestaltet, was das Lernen dort besonders angenehm gemacht hat. Gerade in den wärmeren Monaten haben wir viel Zeit draußen verbracht. Das große Outdoor-Angebot am Campus wurde von allen Student:innen intensiv genutzt, entweder, um gemeinsam zu lernen, sich auszutauschen oder Sport zu machen, zum Beispiel haben wir oft zusammen Spikeball gespielt. Ein besonderes Highlight waren die Freitage an der Universität. Jede Woche wurde am Campus eine sehr günstige Studierendenbar angeboten, die für Student:innen nicht nur eine entspannte Atmosphäre bot, sondern auch eine tolle Gelegenheit war, neue Leute kennenzulernen und den Studientag gemeinsam ausklingen zu lassen.

5. Was gefällt dir an deinem Studium im Ausland besonders gut?

An meinem Studium im Ausland hat mir besonders gut gefallen, dass ich die Möglichkeit hatte, viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern kennenzulernen und internationale Freundschaften zu schließen. Der Austausch mit Studierenden aus verschiedenen kulturellen und akademischen Hintergründen war für mich sehr bereichernd und hat meinen Horizont deutlich erweitert.

Darüber hinaus habe ich im Ausland erstmals alleine gewohnt, was mir wichtige persönliche Erfahrungen gegeben hat und meine Selbstständigkeit gestärkt hat. Auch akademisch habe ich mich weiterentwickelt, da ich Kurse besuchen konnte, die ich in Wien so nicht belegt hätte, und dadurch neue rechtliche Perspektiven kennenlernen konnte. Insgesamt waren die Auslandserfahrungen für mich sowohl persönlich als auch fachlich äußerst wertvoll.

 

6. Welche Herausforderungen erlebst du im Ausland als Studentin?

Eine der größten Herausforderungen im Ausland für mich war, dass man sich in einem neuen Umfeld gerade zu Beginn auch einmal einsam fühlen kann und darf. Es braucht Zeit, um sich einzuleben und soziale Kontakte aufzubauen, insbesondere weil viele der lokalen Studierenden bereits über bestehende Freundeskreise verfügen und daher nicht aktiv auf internationale Student:innen zugehen. Den richtigen Anschluss zu finden, erfordert daher Offenheit, Eigeninitiative und Geduld. In Kopenhagen kam hinzu, dass mich das Wetter vor allem in den Wintermonaten teilweise belastet hat. Die vielen Regentage und die frühe Dunkelheit waren eine Umstellung und haben sich zeitweise auch auf meinen Alltag negativ ausgewirkt. Eine weitere Herausforderung sind die hohen Lebenshaltungskosten in Dänemark, speziell für Studierende. Das wird vor einem Auslandssemester oft unterschätzt und eine gute finanzielle Planung vor Beginn des Auslandssemesters ist daher essenziell. Rückblickend haben mich gerade diese Herausforderungen jedoch widerstandsfähiger gemacht und mir geholfen, persönlich zu wachsen und mich besser auf neue Situationen einzustellen.

7. Zum Praktikum in Shanghai: Wie bist du zu diesem Praktikum gekommen?

Ich habe mich Anfang August 2024 ganz spontan dazu entschieden, das Volontariat beim AußenwirtschaftsCenter Shanghai im Oktober 2024 zu beginnen. Auslöser war ein LinkedIn-Post, in dem bekanntgegeben wurde, dass kurzfristig noch freie Plätze vergeben werden. Die Möglichkeit hat mich sofort angesprochen, sodass ich mich umgehend beworben habe.

Da zwischen Zusage und Praktikumsbeginn nur etwa zwei Monate lagen, musste ich sämtliche Vorbereitungen, wie Visumsbeantragung, aber auch die Wohnungssuche sowie allgemeine Organisation des Aufenthalts in einem völlig neuen, unbekannten Umfeld, in kurzer Zeit erledigen. Rückblickend war diese Phase zwar intensiv, aber auch sehr lehrreich, da sie mir gezeigt hat, wie wichtig Flexibilität, Eigeninitiative und gutes Zeitmanagement sind.

8. Wie sieht ein typischer Tag in Shanghai für dich aus?

Ein typischer Tag in Shanghai begann für mich meistens mit einem regulären Arbeitstag von etwa 9 bis 17 Uhr im AußenwirtschaftsCenter Shanghai. Neben der täglichen Arbeit gab es auch Tage, an denen vom AußenwirtschaftsCenter Veranstaltungen oder Events organisiert wurden, an deren Vorbereitung und Durchführung ich mitwirken und häufig auch selbst teilnehmen konnte. Diese Veranstaltungen haben mir wertvolle Einblicke in die wirtschaftlichen und institutionellen Netzwerke vor Ort ermöglicht. Außerdem war ich Teil eines Laufclubs, der wöchentlich gemeinschaftliche Läufe organisiert hat, an denen ich regelmäßig teilgenommen habe. Am Abend habe ich mich oft mit Freund:innen getroffen, um entweder gemeinsam neue chinesische Lokal zu entdecken oder auch in westlichen Restaurants essen zu gehen. Diese Mischung aus Arbeitsalltag, sportlichem Ausgleich und sozialen Kontakten hat meinen Aufenthalt in Shanghai besonders abwechslungsreich und einzigartig gemacht.

9. Welche beruflichen Ziele hast du nach deinem Abschluss? Und welchen Vorteil bringt deine Auslandserfahrung in deiner beruflichen Laufbahn?

Im Rahmen und als Abschluss meines Auslandssemesters in Kopenhagen konnte ich im Juni 2025 erfolgreich mein Magisterstudium am Juridicum in Wien abschließen. Den Sommer habe ich genutzt, um meine Freund:innen in Shanghai wiederzusehen und eine Rundreise durch Asien zu unternehmen, definitiv eine weitere Erfahrung, die mir persönlich sehr viel gegeben hat. Seit Oktober 2025 arbeite ich am Institut für Innovation und Digitalisierung im Recht an der Universität Wien. Diese Tätigkeit bereitet mir großen Spaß und ermöglicht es mir mich sowohl fachlich als auch persönlich täglich weiterzubilden und neue Erfahrungen zu sammeln. In den kommenden Jahren hoffe ich, meine Dissertation, deren Verfassen ich im Dezember 2025 begonnen habe, erfolgreich abschließen zu können. Anschließend plane ich, meine Gerichtspraxis zu absolvieren und darüber hinaus Einblicke in den Arbeitsalltag einer Kanzlei zu bekommen. Meine Auslandserfahrungen in Shanghai und Kopenhagen sehe ich für meine beruflichen Vorhaben als großen Vorteil und schätze es sehr, dass ich im Rahmen meines Studiums diese einmaligen Möglichkeiten hatte und auch die erforderliche Unterstützung von familiärer Seite erhalten habe.  Beide Auslandserfahrungen haben meine Selbstständigkeit gestärkt, mich vor neue Herausforderungen gestellt, sowie mir die Möglichkeit gegeben mich in anderen kulturellen Umfeldern sowohl persönlich als auch akademisch weiterzuentwickeln. Ich bin davon überzeugt, dass meine Auslandserfahrungen mir dabei helfen können, selbstbewusst auf zukünftige berufliche Herausforderungen zuzugehen und diese zu meistern. 

10. Welchen Tipp würdest du anderen Studierenden geben, die ein Studium im Ausland beginnen wollen?

Mein wichtigster Tipp für Studierende, die ein Auslandssemester oder Praktikum planen, ist, mit Weltoffenheit und Neugier zu starten. Es lohnt sich, möglichst viel Neues zu entdecken, offen auf Menschen zuzugehen und aktiv Kontakte zu knüpfen, sowohl mit anderen Austauschstudent:innen als auch mit Einheimischen. Die meisten freuen sich, neue Leute kennenzulernen, und der persönliche Austausch mit unterschiedlichen Menschen bereichert das Studium und den Alltag enorm. Gleichzeitig ist es wichtig, realistisch zu bleiben: Nicht jeder Tag wird perfekt sein, und auch während eines Auslandsaufenthalts gehören Herausforderungen und Rückschläge dazu. In solchen Momenten sollte man nicht aufgeben, sondern versuchen, den Fokus auf die positiven Erfahrungen zu legen. Schließlich haben nicht alle die Möglichkeit, Auslandserfahrungen zu sammeln und jeder einzelne Tag, egal ob besser oder schlechter, bietet eine einmalige Möglichkeit für persönliche Weiterentwicklung.

Mag. iur. Hannah Hafenscher

Hanna Hafenscher absolvierte das Diplomstudium der Rechtswissenschaften an der Uni Wien und setzt ihre akademische Laufbahn dort derzeit im Doktoratsprogramm fort. Während ihres Studiums sammelte sie vielfältige internationale und berufliche Erfahrungen, unter anderem als Volunteer am Austrian Consulate General Shanghai in der Wirtschaftsabteilung sowie während eines Auslandssemsters an der University of Copenhagen, wo sie auch als Projektassistentin am Institute for Welfare and Market tätig war.